taz gibt Nachhilfe in Sexualkunde

taz_logo_offset_2011Deutschland brauche dringend Nachhilfe in sexueller Vielfalt, konstatiert die taz in ihrem Online-Artikel „Wenn Heteros von Homos lernen“. Denn:

Gerade vom ungezwungeneren Umgang mit Sex könnten viele Heteros lernen – und verklemmten Menschen neue Möglichkeiten des Seins eröffnen. So sollten Männer sich endlich als Objekt der Begierde anerkennen – und die Angst davor verlieren, als schwul zu gelten, sobald sie bewusst ihre Körper einsetzen.“

Dem Artikel zufolge ist der Weg zu einer emanzipierten Gesellschaft noch lange nicht zu Ende gegangen. Ein Schlüssel dazu sei die Bereitschaft, sich mit anderen Milieus und Lebensentwürfen auseinanderzusetzen, den Blick offen und neugierig zu halten. Als gutes Beispiel dafür nennt er den heterosexuellen Barkeeper Kirill, der in einer Schwulenbar arbeitet. Dieser schätze vor allem die schärfere Selbstwahrnehmung, die er durch die Beobachtung der homosexuellen Lebenswelt erworben hat:

„‚Denn Schwule müssen selbst im vergleichsweise toleranten Deutschland ‚immer noch für das kämpfen, was für andere selbstverständlich ist.‘ Zu wissen, dass die eigene Freiheit eine Errungenschaft ist anstatt sich auf der eigenen Normalität auszuruhen, findet Kirill sehr wichtig.“

„Masters of Sex“: Sehenswerte TV-Serie über Pioniere der Sexualforschung

© Showtime

Die erste Folge der neuen TV-Serie „Masters of Sex“ lief gestern auf ZDFneo. Ab 22 Uhr müsste die Episode eigentlich online in der Mediathek abzurufen sein. Die ZEIT bringt heute eine schöne Rezension der sehenswerten Serie über die Sexualforscher William H. Masters und Virginia E. Johnson. Deren Fazit lautet:

„Nach wie vor gilt für viele Paare: bloß nicht reden. Zumindest nicht über ihre eigenen Bedürfnisse. ‚Masters of Sex‘ zeigt anschaulich, wie gehemmt wir auch heute noch sind. Denn viele Mythen um Sexualität haben sich bis heute hartnäckig gehalten. Einige von ihnen konterkariert die Serie sehr treffend. Und sie beweist: Bis zu einem wirklich entspannten Umgang mit Sexualität ist es noch weit.“

Die 61. Stimme: Die Kunst der Berührung

Anita Tantra Massage Köln
„60 Stimmen“ nannte die Frauenzeitschrift Brigitte eine Kolumne, in der sie zum 60-jährigen Bestehen des Magazins in diesem Frühjahr ihre Leserinnen zu Wort kommen ließ. Tolle Idee. Mir fiel einiges ein, was ich dazu schreiben wollte. Erst nachdem ich (m)ein Thema gefunden hatte, entdeckte ich leider, dass es einen Einsendeschluss gab, dessen Datum nun schon vorbeigezogen war. Schade.

Nach den üblichen Phasen (mich ärgern, trauern und mich trösten) fiel mir ein, dass es andere Möglichkeiten als die Brigitte gibt, um sich zu äußern. Hier also, auf dem Ananda-Blog: die 61. Stimme.

Die Kunst der Berührung

Es gibt für mich nichts Schöneres, als einen Menschen zu berühren. Dabei mit der ganzen Hand die zarte Flanke des Körpers zu umfassen. Daran entlanggleiten und diese besondere Wärme spüren, die menschlicher Haut eigen ist. Aus meiner Handmitte strömt dann die Wärme, die jeden Zentimeter Haut in diesem zeitlosen Moment spüren lässt, dass sie geliebt wird. Wenn diese Wärme willkommen ist, sickert sie unter die Haut, in jede Zelle – und ins Herz. In der Landschaft eines menschlichen Körpers gibt es so viele verzauberte Stellen: Erhebungen, Senken, lange schmale Flächen und kleine Kuhlen. Jede fühlt sich anders an, hat ihre eigene Qualität, jede birgt ihre eigene Magie. All diese Stellen in der Landschaft eines Körpers sehnen sich nach den schwirrenden Funken, nach dem Wohlbehagen, das durch meine Hände einfließt.

Wir nennen diese Kunst der Berührung Tantramassage. Mit dem Wort „Massage“ können die Gäste etwas anfangen, es vermittelt ihnen etwas Vertrautes. Für das, was geschieht, finde ich den Begriff Massage zwar richtig, doch gleichzeitig zu kurz gefasst. Man muss ihn ausdehnen, um dem, was passiert, gerecht zu werden. Denn die Massage ist eine Art Performance, ein künstlerischer Prozess ohne Skript, der eine körperliche Handlung ohne festgelegtes Ergebnis einschließt. Wie jede Performance ist sie einzigartig und unwiederholbar.

Eine Malerin malt mit ihrem Pinsel Farben auf die Leinwand. Als Berührungskünstlerin male ich mit meinen Händen Gefühle in die menschliche Haut. Köstlich wie Schokolade, kostbar wie Gold und belebend wie Quellwasser. Weiterlesen

Sexualität bringt die Kunst zum Blühen  

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Abbildung auf dem Rahmen eines Spiegels aus dem antiken Korinth, ca. 320 v. Chr. (zum Vergrößern bitte anklicken).

Schon Steinzeitmenschen malten Schwänze und Brüste an die Wände ihrer Höhlen, und die Antike hält eine große Pornosammlung auf ihren Vasen bereit. Also liegt der Ursprung der Kunst in der Darstellung von Erotik, meint der Artikel „Sinnlichkeit und Schweinereien“ auf der Website des MDR Thüringen. Autorin Sophia Hofer hat eine kleine Kulturgeschichte der Erotik verfasst, und deren Tenor ist: keine Kunst ohne Sex.

Schön sind die Hinweise des MDR-Beitrags auf den Zusammenhang von Sinnlichkeit, Kunst und Alltag in der Antike. So wiesen in Pompeij „Penis-Abbildungen in den Bürgersteigen den Weg zum nächsten Bordell oder Unterhaltungsviertel.“ Außerdem gab es eine Vielzahl von Phallusplastiken in den Haushalten, die als Glücksbringer galten. Heute würde es wohl bei so manchem Gast Irritationen auslösen, wenn ihm in der Wohnzimmerstube ein fliegender Tonpenis von der Decke entgegenschwingen würde. Ob nun als Windspiel, bei dem von jedem Schwanz ein Glöckchen hing, oder als Öllampe, aus der figürliche Phalli herauswuchsen: Damals empfand man dies offenbar als ästhetisch ansprechend und segenspendend.  Weiterlesen

Eine Stunde Liebe im Deutschlandradio

Geld Macht Sex
Moderatorin Inga Hinnenkamp hat die Massagepraxis ANANDA besucht. Sie beschreibt die Atmosphäre vor Ort und befragt Praxisleiterin Martina Weiser. Darüber hinaus gibt es ein Interview mit der Berliner Tantramasseurin Lena Morgenroth und der Schweizer Theologin und Buchautorin Béatrice Bowald.

Hier geht es zu dem Radiobeitrag.

Wir unterstützen die Klage gegen die Vergnügungssteuer

Heute kam es vor dem Verwaltungsgerichtshof Baden-Württemberg in Mannheim zur Berufung in der Klage gegen die Vergnügungssteuer. Die Einzelheiten lassen sich auf der Seite des Tantramassage-Verbands e.V. (TMV) nachlesen, dem Ananda als Gründungsmitglied angehört. Auch unsere Praxisleiterin Martina Weiser ist nach Mannheim gefahren, um Monika Kochs bei ihrer Klage zu unterstützen. Zur Zeit läuft die Pressekonferenz, an der auch Martina teilnimmt. Eine Entscheidung ist heute noch nicht gefallen. Das Gericht hat angekündigt, sein Urteil in etwa drei Wochen schriftlich zu verkünden. Die Sache bleibt also spannend.

Die Erotik des Wartens – Ananda im Deutschlandfunk

Ella-Andrea-Tantra-Massage

Wenige Tage nach dem Start der Fußball WM 2014 entsteht dieses Interview:
Die deutsche Nationalmannschaft schießt in 90 Minuten 4 Tore – 90 Minuten dauert eine Tantramassage mindestens. So fängt das Interview an und schon hören die Gemeinsamkeiten mit dem Fußball auf. Bei der Tantramassage gibt es kein Ziel – und genau das ermöglicht eine derart tiefe Entspannung wie viele sie noch nie erfahren haben. >> Hier findet Ihr das Interview online

Unsere Kollegin Andrea (die sich früher Ella nannte) informiert hier auf einfühlsame Weise über die Erotik des Wartens und den Verlust jeglichen Zeitgefühls während einer Tantramassage.

 

Ist Vögeln schön?

Droht uns eine neue Spießigkeit? Geht verloren, was die sexuelle Revolution der 68er erkämpft hat? Sind wir im Vergleich zu den sexuellen Barrikadenstürmern unfreier geworden? Für uns von Ananda wäre das eine traurige Bilanz. Schließlich setzen wir uns seit vielen Jahren mit unserer Arbeit für eine freie sexuelle Kultur ein.

71vap2mLGhL._SL1500_Aber wenn man der Autorin Ulrike Heider und ihrem im Frühjahr erschienenen Buch „Vögeln ist schön“ folgt, gibt es einen starken konservativen Schwenk in unserer Gesellschaft. Die Autorin behauptet sogar, eine sexuelle und soziale Revolution habe nie wirklich stattgefunden. Nach den Sexualreformern seien es vor allem kommerzielle Akteure wie die Werbeindustrie gewesen, die die sexuelle Befreiung aufgegriffen, das gesellschaftliche Bild von Sexualität dadurch entscheidend geprägt und so schließlich ausgehöhlt haben. In den 80er Jahren sei aus dem Ideal der gemeinsam erlebten und zärtlichen Sexualität das Bild vom Kampf der Geschlechter geworden, ein Spiegelbild der wirtschaftlichen Unsicherheit und der Verschärfung sozialer Gegensätze. Damit ging eine neue Sehnsucht nach Verbot, Gewalt, Geheimnis und Bordell-Erotik einher. Bis heute herrsche ein „pornographisch verzerrtes Bild von Sexualität“, das „Leistungsdruck, Konkurrenzangst und Gewaltförmigkeit“ erschafft. Weiterlesen