Warum Tantramassage helfen kann, wo Sexualtherapie endet.

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Hanna Krohn ist von Anfang an auf der Bodywork Plattform vertreten.
Das Online-Verzeichnis für seriöse Anbieter von Tantramassage, ganzheitlicher Körperarbeit und Sexualberatung. 

Auf Ihrem Blog berichtet sie regelmäßig aus Ihrer eigenen Praxis. Dieser Artikel beschreibt sehr eindringlich die Grenzen des herkömmlichen Gesundheitssystems. 


Manch­mal denke ich ja, dass ich ganz gut oder sog­ar bess­er ohne das Wort “Tantra” auskom­men kön­nte. Mein skep­tis­ch­er Geist und mein nüchternes Naturell fremdeln nach wie vor mit diesem Begriff, der sich jed­er klaren Def­i­n­i­tion entzieht und der Blick der anderen auf mich und meine Arbeit macht es nicht bess­er: „Mir fehlt ein­fach völ­lig die Phan­tasie, mir vorzustellen, was jemand zu so einem Ange­bot treiben kön­nte, da kann ich mir ja sog­ar eher vorstellen, warum sich Frauen Escort-Typen bestellen.“ las ich neulich als Kom­men­tar zu einem Inter­view mit mir. Weiterlesen

Berühren als Berufung – „Trusted Bodywork“

Eva Tantra Massage Köln
Eva Hanson ist von Anfang an auf der Bodywork Plattform vertreten.
Das Online-Verzeichnis für seriöse Anbieter von Tantramassagen und ganzheitlicher Körperarbeit.

Eva Hanson

Seit Kurzem gibt es ein neues Online-Verzeichnisinklusive Blog für seriöse Anbieter von Tantramassagen und ganzheitlicher Körperarbeit. Martina Weiser, Leiterin der Massagepraxis Ananda Köln leistet mit diesem Internet-Projekt einen wichtigen Beitrag für unseren werdenden Berufsstand. Sie verfolgt damit mehrere Ziele:

Leichteres Auffinden seriöser Angebote

Wer sich für Tantramassage oder andere Formen sexpositiver Körperarbeit interessiert, hat es oft nicht leicht, professionelle und vertrauenswürdige Angebote zu finden. Auf www.trustedbodywork.com können sich nur Anbieter eintragen, die eine abgeschlossene Ausbildung nach den Qualitätskriterien des neu entwickelten Gütesiegels „trusted bodywork“ nachweisen können. Hierzu gehören derzeit verschiedene Tantramassage-Ausbildungen sowie Sexological Bodywork.

Etablierung als Berufsstand

Wir wollen sichtbarer werden. Das Wissen über und die Arbeit mit Sexualität ist wichtig und sollte gefördert werden. Wir werden in erster Linie für unsere Erfahrung und unser Wissen bezahlt und bilden daher einen neuen Berufsstand zwischen Wellness, Gesundheit und sexueller Dienstleistung. Deshalb ist es so wichtig, uns weiter…

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Von Musik zur Massage – Teil2


Cello-wb1Maria beschreibt ihre erste Tantramassageerfahrung, ihren Weg nach Deutschland, die Entscheidung für diesen Beruf und, ganz privat, wie sie sich in Köln eingelebt hat, den ersten Karneval hier als kulturelles Ereignis und wie sie die Kölner insgesamt erlebt.

Stefanie: Jetzt interessiert mich natürlich noch, wie Du überhaupt in Deutschland gelandet bist und dann, wie Du ausgerechnet auf Tantramassage gekommen bist?

Maria: Naja, ich wollte mich in der Musik weiterentwickeln und da wurde mir Nürnberg als Lernort empfohlen. Ich habe mich an der Musikhochschule beworben und habe dort nochmal studiert. Dort fand ich einen wunderbaren Lehrer, gab selbst Unterricht an verschiedenen Musikschulen und hatte einige Schüler, habe mir also nach und nach in Deutschland ein neues Leben aufgebaut. Mit keinerlei Deutschkenntnissen am Anfang! Das war nicht immer einfach.

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Paul: Wie die erste Massage von einem Mann mich verändert hat

Paul_tantra_masseur_koelnAb 7. Mai verstärkt Paul unser Massageteam. Damit haben wir als erste Tantramassagepraxis in Deutschland 4 Männer – ein weiterer Schritt in Richtung Geschlechter-Gleichberechtigung.
Neben dem Beruf als Tantramasseur ist Paul als Gestalttherapeut tätig. Welche Zusammenhänge Paul zwischen diesen beiden Berufen sieht und wie die erste Tantramassage von einem Mann auf ihn wirkte, erzählt er uns im folgenden Interview.

Martina: Paul, du verstärkst ab Mai unser Team, worüber wir uns sehr freuen, denn neben AlexanderOliver und Christoph bist du nun der vierte Mann im Ananda-Bunde, das ist neuer Rekord in deutschen Tantramassagepraxen.
Bei dir ist der Berufswunsch „Tantramasseur“ ja auch über das Erleben einer Tantramassage selbst entstanden. Erzähl uns doch mal, wie war denn damals dein erster Kontakt zur Tantramassage?

Paul: Du wirst es nicht glauben, aber ich habe im Internet nach eher üblicheren Massagen gesucht. Im Sinn hatte ich eine sportliche Wellness-Massage, Shiatsu oder eine Thaimassage. Ich wollte etwas gegen meinen verspannten Rücken unternehmen. Vor einem Urlaub in die Türkei wollte ich als Urlaubseinstieg mich massieren lassen und dann entspannt in den Flieger steigen. Was ich fand, war eine Tantramassage.

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SPIEGEL ONLINE über Tantra-Massagen

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Am 2. April 2016 brachte Spiegel Online ein Interview mit Katrin Aschermann zu Thema Tantramassage. Besonders gefreut haben wir uns über die Nennung des Berufsverbandes für Tantramassage

Bei uns in Köln gingen spürbar mehr Anrufe ein und die Kommentarseite zum Artikel umfasst inzwischen 76 Kommentare – sehr durchwachsene Kommentare, die leider oft bei oberflächlichen Vorwürfen stehen blieben.
Für Eva aus dem Ananda Massageteam ein Grund ebenfalls auf den Kommentarseiten deutlich Stellung zu beziehen:

Leider ist das Interview zu kurz, um wirklich einen Eindruck von dem zu vermitteln, was gemeinhin als „Neo-Tantra“ bezeichnet wird, zu dem auch die Tantramassage (abgekürzt „TM“) gehört. Deshalb möchte ich dazu ein paar Denkansätze und Erfahrungen aus meiner Arbeit mit der TM beitragen.

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Von Musik zur Massage – Teil1

pexels-photo-37719.jpegHier möchten wir Euch Maria ein wenig näher vorstellen. Bevor sie zur Tantramassage kam, war sie Berufsmusikerin. Für uns spannend, welche Ähnlichkeiten es zwischen dem Spiel auf dem Cello und dem „Spiel“ mit einem menschlichen Körper gibt. Welche Parallelen finden sich überhaupt zwischen dem professionellen Ausüben einer Kunst und unseren Massagen?

Stefanie: Liebe Maria, Du bist seit Mai 2015 hier bei uns im Ananda. Zeit, um ein wenig nachzufragen, wie es Dir bei uns geht, ob Du Dich eingelebt hast, aber auch: Wie bist Du überhaupt zur Tantramassage gekommen? Denn ursprünglich hast Du viele Jahre Cello studiert und somit ein ganz anderes Leben geführt.

Maria: Ja, ich komme aus einer italienischen Musikerfamilie, so dass ich schon als Kind mit Klavier und Gesang begonnen habe. Mit neun Jahren fing ich an, Cello zu studieren. In Italien läuft es ein wenig anders: die Ausbildung dauert 12 Jahre, neben dem Besuch eines Gymnasiums. Es bleibt kaum Zeit für Entspannung und Privatleben.

Stefanie: Das klingt nach einem Leben voller Disziplin, Aus- und Fortbildungen, Lernen. Gibt es Parallelen zu dem, was Du jetzt tust? Weiterlesen

SEXarbeiterin – die Dokumentation im Kino

SA_A6Vieles aus dem Film trifft auch auf unsere Arbeit bei Ananda zu und so war es nicht verwunderlich, dass rund 10 Frauen aus unserem Team, sowie etliche Freunde zur Köln Premiere mit Podiumsdiskussion kamen.
Lena Morgenroth steht mit Begeisterung hinter ihrer Arbeit  und tritt dafür mit ihrem bürgerlichen Namen ein: ähnlich wie wir kämpft sie um eine allgemeine gesellschaftliche Anerkennung dieses schönen Berufes. Der Film zeigt den ganz normalen, wenn auch sehr freigeistigen Alltag einer Tantramasseurin in Berlin.
Eine Rezension von Julia

Sexarbeit. Was bedeutet das? Im Ananda kommt häufiger mal das Gespräch darauf: Sind wir Sexarbeiterinnen oder nicht? Wie bezeichnen wir uns selbst? Einerseits können und wollen wir nicht bestreiten, dass unsere Arbeit mit Sexualität zu tun hat, andererseits setzen wir uns für eine eigene, neue Berufsbezeichnung ein und möchten eine spezifische Regelung für unseren Berufsstand, der eben weder zur Wellnessmassage zählt, noch, wie wir meinen, zur Prostitution. Es geht nicht darum, dass wir uns als „heilig“ oder „heilend“ sehen, sondern darum, dass wir wissen, was Sexarbeit, was das Wort Prostitution in den Köpfen der Menschen auslöst – das Bild der viktimisierten, ausgebeuteten Frau, die vom Patriarchat unterdrückt und zur Sexarbeit gezwungen wird. Wir dagegen versuchen, eine Form von sexueller Kultur in die Gesellschaft zu bringen, die öffentliche  Anerkennung findet, und zwar unter anderem über eine klare berufliche Regelung.

„…dass Sexarbeit eine Arbeit ist wie jede andere“

Dieser Film machte Mut. Denn an ihm wird deutlich, dass Sexarbeit eine Arbeit ist wie jede andere: Es gibt dafür einen eigenen Berufsverband (Berufsverband erotische und sexuelle Dienstleistungen e.V), jede von uns führt ihre Buchhaltung, macht Geschäftstermine aus, ärgert sich schon mal über unfreundliche Gäste und hat besondere Strategien und Methoden im jeweiligen Arbeitsablauf. Im Film wird Einblick in auch unseren Arbeitsalltag geboten: die gesamten Handlungsabläufe, wie Raum vorbereiten, sich umziehen, duschen, Kerzen anzünden und auch das Geben der Massage selbst. Mit Lenas gezeigtem Alltag können die meisten von uns sich gut identifizieren: sei es einfach nur mal eben das  Altglas wegbringen oder die Schilderung von Gästen, die sich ausführlich am Telefon beraten lassen und dann doch nicht erscheinen. Genau wie die berührenden Szenen, die Lena im Kontakt mit ihren Kunden erlebt und  in denen deutlich wird, wie viel Nähe und Geborgenheit diese Begegnungen beinhalten. Gar nicht das, was man sich unter oft rein kommerziell gedachter Prostitution und Sexarbeit vorstellt, sondern sehr viel menschliche Wärme, Nähe, Gehaltenwerden, Trost, dazu aber sexuelle Leidenschaft, Genuss, Lebensfreude und Hingabe. Was Lena und viele gute Tantramasseure und –masseurinnen auszeichnet, sind die Fähigkeit und Bereitschaft, Menschen nahe zu kommen, auch und gerade mit dem ganzen Körper auf sinnliche und erotische Weise.

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Tantramassagen sind ein Teil von Lenas Angebot.

Stilistisch wurde der Film in Schwarz-Weiß gedreht, um der üblichen Pornoästhetik entgegenzuwirken. Das kann ich gut nachvollziehen, da ich selbst Kunst mache und meist in Schwarz-Weiß arbeite. Meine Bilder haben häufig sexuelle Inhalte und Ornamente in einer einfachen Zeichnungstechnik. Das Schwarz-Weiß reduziert die Information und verhindert das Abrutschen in den Kitsch. Lena hatte zunächst etwas Sorge, ob dadurch ihre Arbeit nicht überästhetisiert würde, aber das ist überhaupt nicht der Fall. Es wurde nichts geschönt. Das Schwarz-Weiß unterstützt die Nüchternheit und Klarheit des Films.

Die Teilnehmer der anschließenden Podiumsdiskussion von links: Claudia Zimmermann-Schwartz (Ministerium für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter des Landes Nordrhein-Westfalen und Leiterin des Runden Tisch für Prostitution NRW), Harriet Langanke (Journalistin), Sobo Swobodnik (Regisseur), Arndt Klocke (Moderation "Grünes Kino), Lena Morgenroth, Hans Mörtter (Pfarrer Lutherkirche Köln) sowie Dr. Anne Bunte (Amtsleiterin Gesundheitsamt Köln).

von links: Claudia Zimmermann-Schwartz, Harriet Langanke, Sobo Swobodnik, Arndt Klocke, Lena Morgenroth, Hans Mörtter sowie Dr. Anne Bunte.

 

Die anschließende Podiumsdiskussion war mit spannenden Fachleuten besetzt und wurde von dem Grünen-Landtagsabgeordneten Arndt Klocke kompetent und einfühlsam moderiert. Neben Lena Morgenroth selbst und Regisseur Sobo Swobodnik beteiligten sich Claudia Zimmermann-Schwartz, Leiterin des „Runden Tisches Prostitution NRW“, Anne Bunte, Leiterin des Gesundheitsamtes der Stadt Köln, Südstadt-Pfarrer Hans Mörtter sowie GSSG-Gründerin und Sexualwissenschaftlerin Harriet Langanke an der Diskussion.

Hier wurden die unterschiedlichen Formen von Prostitution deutlich gemacht, und dass es DIE Prostitution eben nicht gibt, sondern viele Arten: von der selbst bestimmten, gut ausgebildeten Frau oder dem Mann, die auch viele andere Berufsoptionen hätten und sich bewusst für Sexarbeit entschieden haben, bis hin zu (fast ausschließlich) Frauen aus anderen Ländern, die kaum bis kein Deutsch können und hier zu dieser Arbeit gezwungen werden. Der Film hat nicht den Anspruch, einen repräsentativen Überblick zum Thema Sexarbeit zu vermitteln, sondern will nur einen kleinen Ausschnitt davon zeigen. Zweifellos gibt es neben Frauen wie Lena und uns Ananda-Masseurinnen auch solche, die diese Arbeit ausschließlich wegen des Geldes machen oder weil sie für sich keinerlei Alternativen auf dem Arbeitsmarkt sehen. Auch Zwangsprostitution und Menschenhandel gibt es natürlich, aber das sind keine Berufe. Auch diese Abgrenzung wurde deutlich gemacht. Auch, dass wenn die Prostitution in den Untergrund gezwungen wird, die Kriminalität darin logischerweise eher zunehmen wird.

„Dem Mythos folgend, dass nur Sex mit Liebe schöner Sex sein kann, was mir eine der  größten Lügen unserer Generation zu sein scheint“

In der anschließenden Podiumsdiskussion kam vom Publikum die brennende Frage, die jede von uns Masseurinnen bestimmt schon gestellt bekam: wie sich diese Arbeit denn auf die eigene Sexualität auswirke, und dahinter steckt oft die Vorstellung, man würde taub, weil man so viel abspalten müsse, weil man ja nicht einfach so mit Fremden intim werden könne usw. Dem Mythos folgend, dass nur Sex mit Liebe schöner Sex sein kann, was mir eine der  größten Lügen unserer Generation zu sein scheint. Damit wird nach wie vor ein Mythos rund um Sexualität aufrechterhalten, der es uns allen schwermacht, sich ehrlich mit dem Thema auseinanderzusetzen, zumindest in der Öffentlichkeit. Schön war Lenas klare Antwort, dass sie sich und ihre sexuellen Bedürfnisse über die Arbeit besser kennenlernen konnte und ihre Sexualität sich dadurch deutlich spannender, ehrlicher und befriedigender für sie und ihre Partner entwickelt hat. Dass sie lernte, was ihr Spaß macht, dass sie auch lernte, dies zu kommunizieren: und zwar ihren Partnern direkt, auch während des Liebesspiels. Dass sie Worte für ihre Wünsche fand, war bereichernd und erfüllend für alle Beteiligten.

Martina Weiser (Ananda Köln) mit Lena Morgenroth - man kennt sich über gemeinsame Freunde und durch die Crowdfunding Aktion für den Film

Martina Weiser (Ananda Köln) mit Lena Morgenroth – man kennt sich über gemeinsame Freunde und durch die Crowdfunding Aktion für den Film

Ich erlebe das an mir selbst sehr ähnlich. Bei mir, bei meinen Kolleginnen und bei meinen Kollegen. Auch meine Gäste verändern sich, werden offener und klarer mit ihren Wünschen, wenn sie häufiger zur Massage kommen, lernen ihren Körper besser kennen oder kommen gleich mit Partner zur Paarmassage oder zum Coaching. Was wir machen, und das wurde in diesem Film deutlich: Wir geben der Sexualität einen kunstvollen, kreativen Rahmen, der viele neue Möglichkeiten eröffnet, Sehnsüchte erfüllen kann und neue Impulse gibt. Außerdem zeigt Lena, zeigen auch wir als Tantramasseur/-innen, dass befriedigende Sexualität nicht ausschließlich über Penetration erreicht werden kann. Für uns ist dies ein wichtiger Baustein zum Aufbau einer offenen und lebensbejahenden sexuellen Kultur.

„der Regisseur selbst (…)  erfuhr Stigmatisierung, als er die Crowdfounding Campagne startete und dafür Sexarbeit angeboten hat.“

Mir machte die anschließende Diskussionsrunde Mut und gab mir Selbstbewusstsein im Umgang mit meiner Arbeit in der Öffentlichkeit. Auch dass Frau Zimmermann-Schwartz bestätigte, wie viel Schmerz an diesem Stigma hängt, sowie der Regisseur selbst, der genau diese Stigmatisierung erfuhr, als er die Crowdfounding Campagne startete und dafür selbst Sexarbeit angeboten hat. (Siehe auch unser Beitrag hier)
Man ist damit nicht alleine. Das gibt mir Kraft, mich noch mehr zu engagieren und mich ehrlich mit meiner Arbeit zu zeigen. Es tat mir und meinen Teamkolleginnen gut, dass sich alle Fachleute einig waren: Eine Ausgrenzung von Sexarbeiterinnen nützt niemandem! Stattdessen sollten Respekt und Akzeptanz für eine freiwillige Berufswahl in diesem Bereich gefördert werden. Nach wie vor ist gleichzeitig weiterhin Hilfe für Menschen wichtig, die aus einer Not- oder Zwangslage heraus unfreiwillig in der Sexarbeit gelandet sind oder dorthin gezwungen wurden.

Wir brauchen Ehrlichkeit im Umgang mit Sexualität. Lenas ungeschönter Einblick in ihren Arbeitsalltag ist ein feministisches Manifest. Was im Refrain der starken, und im Gegensatz zur Nüchternheit des restlichen Films, dramatischen Filmmusik deutlich wird:

„Keep your body out of business, cause the body is holy ground… well it is my own precious body, so stop bossing me around!“

Vielen Dank!

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Julia | Tantra BDSM Massage Sex Coach KölnJulia gehört zu den Liberty-Fachfrauen im Ananda-Team.
Berührung und die Auseinandersetzung mit Sexualität und Kunst brachten Julia sehr stark in die Verbindung mit ihrer Kraft und Kreativität.
Sie versteht ihre Arbeit als einen Beitrag zur Integration von Sexualität in jedem Einzelnen und in der Gesellschaft und vor allem als eine bewusste Hinwendung zur Freude und Fülle des Lebens.

„Das ist doch irgendwas mit Sex?“

TantramassageIch liebe meine Arbeit. Ich bin froh, das sagen zu können, denn ich musste Mitte vierzig werden, bis ich herausgefunden habe, was mich wirklich glücklich macht: Menschen zu berühren.

Im Hochsommer bin ich mit dem ICE quer durch Deutschland gefahren und nachdem wegen der Hitze erst ein Notarzteinsatz und dann ein starkes Gewitter meine Fahrt verzögert hatten, war es nach Mitternacht und ich erreichte den letzten Anschlusszug, der mich an diesem Tag zu meinem Zielort hätte bringen können, nicht mehr. Wie ich feststellen durfte, finanziert die Bahn ihren Fahrgästen in solchen Fällen eine Fahrt mit dem Taxi.
Kurz darauf saß ich also in einem elfenbeinfarbenen Mercedes, neben mir ein leicht genervter Fahrer, im Fond ein junger Marinesoldat, dessen Kaserne keineswegs auf meiner Route lag und im Kofferraum mein großer schwarzer Koffer.

„Wohin soll es denn gehen?“ fragte der Fahrer mich im unverkennbaren Jargon der Hafenquartiere. Ich nannte den Namen des abgelegenen Seminarhauses und nachdem sein Navi die Adresse gefunden und ich ihm den Gefallen getan hatte, die Blitzer-App auf meinem Handy zu aktivieren, entspannte sich die Stimmung etwas. „Was wird denn da geboten?“ wollte er wissen. Vor uns lag eine lange Fahrt über Landstraßen, er war müde und konnte Unterhaltung gebrauchen, das leuchtete mir ein. „Ich fahre zu einem Massageseminar“ antwortete ich betont kühl und überlegte, wie ich das Thema wechseln könnte. Schließlich war es Nacht und ich saß mit zwei fremden Männern in einem fremden Auto. Aber ich war erschöpft von der langen Fahrt und der Hitze. Mir fiel nichts ein und im Lügen bin ich schlecht.

Er reagierte, wie bisher jeder reagiert hat, dem ich von meinem neuen Beruf erzähle: Erst mit nervösem Lachen, dann mit gespanntem Schweigen, schließlich mit ehrlichem Interesse und offenherzigen Fragen

„Ah, Sie wollen Massage lernen?“ hakte er nach. Sein Ton war nicht unfreundlich, verriet aber deutlich, was er von derlei Zeitvertreib hielt. „Nein, ich assistiere bei der Ausbildung“ sagte ich mit kalkulierter Arroganz und hoffte, ihn damit ausreichend einzuschüchtern, um weitere Nachfragen zu unterbinden. Verstohlen warf ich einen Blick auf die Rückbank und sah, dass mein Mitreisender mit dem Kopf auf seinem Seesack eingeschlafen war. Immerhin hatte ich jetzt nur noch einen Zuhörer. Den Taxifahrer schienen meine ausweichenden Antworten anzuspornen, es klang fast provokant, als er fragte: „Sie sind Physiotherapeutin?“ Plötzlich musste ich lachen. Die Situation war einfach zu komisch. Ich entschied mich einmal mehr, einfach die Wahrheit zu sagen und antwortete: „Nein, ich bin Tantramasseurin.“
Er reagierte, wie bisher jeder reagiert hat, dem ich von meinem neuen Beruf erzähle: Erst mit nervösem Lachen, dann mit gespanntem Schweigen, schließlich mit ehrlichem Interesse und offenherzigen Fragen. Es wurde eine sehr kurzweilige Fahrt und als er zwei Stunden später meinen schweren Koffer auf dem gepflasterten Hof des Seminarhauses auslud, verabschiedete er sich mit Handschlag und bedankte sich bei mir. Ich hatte ihn berührt.

Das T-Wort 

Ich habe noch nicht viele professionelle Massagen gegeben, weil ich noch nicht die passenden Rahmenbedingungen habe, um diese Tätigkeit mit meinem Familienleben zu vereinbaren. Ich suche nach eigenen Räumen und ich bin dabei, mich auf die Arbeit mit Frauen zu spezialisieren. Dafür gibt es so schöne Namen wie „Perlentor“, „Rosenblütenmassage“ oder „Schossraumheilung“. Das einzige Wort, das wir im deutschsprachigen Raum auf jeden Fall meiden sollten, sagte meine Ausbilderin kürzlich, sei das Wort „Tantramassage“.
Mich macht das traurig und wütend, aber wahrscheinlich werde auch ich diesen Rat beherzigen. So wie viele meiner Kolleginnen und Kollegen, die ihre wunderbare Arbeit mit mehr oder weniger blumigen Formulierungen umschreiben, damit Google dieses Wort, das ihre Haltung von tief empfundenem Respekt und wertungsfreier Annahme von allem Menschlichen ausdrückt, nicht aus ihrer Homepage filtert: „Tantra“. Denn die Realität ist, dass die „Tantramassage“ nicht geschützt ist und sich unter diesem Suchbegriff von der halbstündigen Erotikmassage bis zur mehrstündigen, tiefgreifenden, prozessorientierten Körperarbeit ein breit gefächertes Angebot finden lässt, das den Laien überfordert. Den Mainstream dominiert wohl eher die Assoziation von Schummerlicht, Räucherstäbchen und Gleitgel.

Tantra öffnet einen Raum für Sexualität jenseits von anerzogenen Normen und pornomäßigem Leistungsdruck und dieser Raum ist mir heilig geworden 

Wenn ich Freunde und Bekannte frage, was sie über Tantra wissen, ist die Standardantwort: „Das ist doch irgendwas mit Sex?“ Wie diese religiöse Richtung bei uns im Westen rezipiert wird sagt viel über unsere Gesellschaft, denn nur 7% der tantrischen Schriften befassen sich mit Sexualität, aber das Besondere ist in der Tat, dass diese als integraler Bestandteil der menschlichen Existenz betrachtet, geehrt und kultiviert wird. Also in etwa so, wie ein kleines Kind natürlicherweise mit seinen Geschlechtsteilen umgeht: Es berührt sie, weil sie zu seinem Körper gehören, weil sie sich gut anfühlen und das Lebensgefühl steigern. Nicht mehr und nicht weniger. Da gibt es kein „Iih, das ist eklig!“ und kein „Wow, bin ich kinky!“, kein „Das gehört sich nicht!“ und kein „Die anderen können/ fühlen/ haben bestimmt mehr, ich bin irgendwie falsch!“. Tantra öffnet einen Raum für Sexualität jenseits von anerzogenen Normen und pornomäßigem Leistungsdruck und dieser Raum ist mir heilig geworden.

Von der Selbstliebe zur Selbstfindung

Meine Ehe ist unter anderem daran gescheitert, dass wir diesen Raum nicht gefunden haben. Wir entfernten uns immer mehr voneinander und pendelten uns irgendwann beim kleinsten gemeinsamen Nenner ein, der formal die Anforderungen eines geregelten Geschlechtsverkehrs erfüllte, aber mit echter Intimität und Begegnung nichts mehr zu tun hatte. Ich fühlte mich taub und leer und flüchtete ins innere Exil, er verbrachte die Nächte vor dem Computer. Nachdem ich (erfolglos) versucht hatte, bei einem anderen etwas von meinem früheren Körpergefühl wiederzufinden und mein Mann dies herausgefunden hatte, kamen die Karten auf den Tisch.

 …ich war sexuell uninteressant und als Frau einfach nur noch langweilig, gerade gut genug für Kinder und Küche.

Er erzählte von seiner Pornosucht, der Jagd auf bewegte Bilder, auf immer stärkere Reize, die er schon lange nicht mehr kontrollieren konnte, obwohl er sich selber dafür hasste und sich ausgezehrt und überreizt fühlte. Ich war gleichzeitig angewidert und zutiefst verunsichert und zog mich komplett von ihm zurück. Ich fühlte mich in dem bestätigt, was ich insgeheim schon lange befürchtet hatte: Ich war nicht mehr schön, ich war nicht mehr begehrenswert, ich war sexuell uninteressant und als Frau einfach nur noch langweilig, gerade gut genug für Kinder und Küche.

Nähe oder gar Körperkontakt konnte ich nicht mehr ertragen. Ich reichte ihm am Esstisch den Teller so, dass unsere Hände sich nicht berührten und suchte mir einen eigenen Schlafplatz im Haus. Statt abends mit ihm vor dem Fernsehen zu sitzen, las ich Bücher über Sexualität und experimentierte mit sexueller Selbstliebe. Ich stellte fest, dass meine Vagina keineswegs taub war, sondern offenbar durch die Geburten und das Älterwerden noch viel empfindungsreicher und lebendiger als je zuvor. Das war toll, ein großes Geschenk und ich entwickelte einen neuen Stolz auf mich und meinen Körper. Doch oft liefen mir nach einem besonders schönen Orgasmus die Tränen runter, denn ich sehnte mich so sehr danach, von jemandem gesehen zu werden. Damit meine ich nicht den geilen Blick, mit dem man sich im Porno anguckt, wie eine Frau es sich selbst macht. Mein Wunsch war, so gesehen zu werden, wie ich wirklich bin.

Letzte Woche ging dieser Wunsch bei einem Seminar meiner neuen Ausbildung in „Frauenmassage und Sexualcoaching für Frauen“ in Erfüllung. Wir sollten mit unserer Partnerin ein Selbstlieberitual mit „Whitnessing“ üben. Das heißt, die eine Frau hatte 45 Minuten Zeit, sich mittels einer bestimmten Atmung und den Stimulationstechniken ihrer Wahl selbst in einen wellenförmig ansteigenden Erregungszustand zu bringen und die Energie dann zu entladen, während die andere einfach nur als Zeugin neben ihr saß. Genau wie alle anderen war ich überzeugt, dass ich in einem Raum mit zwanzig Frauen, zur Geräuschkulisse batteriebetriebener Toys und unter der Aufsicht eines Schwarms von Assistentinnen in jeden anderen Zustand als in den der Erregung kommen würde, geschweige denn dass ich mehrere Wellen davon aufbauen und mich einem Orgasmus auch nur auf Sicht nähern würde.

 …es macht für mich keinen Unterschied mehr, ob ich ihren Rücken, ihren Intimbereich oder ihren Anus massiere

Das Gegenteil war der Fall: Ich fühlte mich weder beobachtet noch gestört, sondern absolut frei und gleichzeitig geborgen und sicher inmitten dem Stöhnen, Schreien, Seufzen und Summen um mich herum. Ich spürte die anderen und ich spürte mich, Atem, Stimme und Bewegungen, alles was ich gelernt hatte, floss wie von selbst und ich erlebte meinen intensivsten selfmade-Orgasmus aller Zeiten. Als ich – noch etwas benommen – die Augen wieder öffnete, schaute meine Partnerin mich an. Ihr Blick war so weich und offen wie meiner und ich kann nicht beschreiben, wie glücklich es mich gemacht hat, dass ich mich ihr so zeigen konnte und dass sie mich so gesehen hat.

Und was ist nun mit dem Sex? 

Meine Ausbildung hat mich sehr verändert. Mein Wertesystem hat sich verschoben und meine Grenzen ebenfalls. Während ich gelernt habe Männer zu massieren, habe ich mich ihnen aus der sicheren Distanz der Professionalität wieder angenähert, Schritt für Schritt. Am Anfang muss ich beim Vorgespräch ausgesehen haben wie eine Chefsekretärin: die Beine übergeschlagen und den Schreibblock auf den Knien. Ich hatte Vorurteile und war voller Misstrauen. Doch dann habe ich Männer erlebt, die mir von ihren Ängsten, Unsicherheiten und Wünschen erzählt haben, die zu weinen anfingen, sobald ich zu Beginn des Rituales ihre Hand in meinen Händen hielt, die mir später schrieben, dass diese Erfahrung ein Wendepunkt in ihrem Leben gewesen sei. Inzwischen spielt es für mich keine Rolle mehr, dass sie nackt sind und dass ich nackt bin, es macht für mich keinen Unterschied mehr, ob ich ihren Rücken, ihren Intimbereich oder ihren Anus massiere, denn sie haben dieselbe Sehnsucht nach Berührung und wollen genauso gesehen werden wie ich.

Weil ich Tantramassagen gebe und bei Ausbildungsseminaren assistiere denken viele, ich sei eine Art Sexgöttin, jedenfalls aber eine Expertin und gelegentlich werde ich nach ein paar Gläsern Wein hinter vorgehaltener Hand nach meinen geheimen tantrischen Sex-Tricks gefragt. Es tut mir leid, aber ich kenne keine Tricks. Ich habe eine Massageausbildung mit spirituellem Hintergrund gemacht, sexuelle Interaktion war nicht Bestandteil des Curriculums. Ich habe viel über Sexualität und noch mehr über mich selber gelernt. Es war ein weiter Weg, es war mein Weg und er ist noch lange nicht zu Ende.
Was meinen privaten Kontakt zu Männern betrifft, wage ich mich nach dreieinhalb annähernd sexfreien Jahren langsam aus meinem Schneckenhaus. Es war gut, eine Pause zu machen, alles auf „reset“ zu setzen und ganz von vorne anzufangen: Bei mir. Ich weiß jetzt genauer, was ich will und ich sorge besser für mich und meine Bedürfnisse. Nicht nur beim Sex, aber auch beim Sex.

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handei_5566_2_300Die Autorin Nora schreibt über sich: Ich bin 47 Jahre alt, in Trennung und Mutter von drei Kindern im Alter zwischen 7 und 19 Jahren. Ich lebe in einem alternativen Dorfprojekt am Rande einer deutschen Großstadt. Früher habe ich Politik und Volkswirtschaft studiert und mein Geld mit Öffentlichkeits- und redaktioneller Arbeit verdient.
Die Ausbildungen in Tantramassage, Frauenmassage und Sexualcoaching für Frauen habe ich inzwischen abgeschlossen und arbeite jetzt als Gesundheitspraktikerin für weibliche Sexualität. Aktuell stehe ich am Anfang einer Fortbildung nach dem Konzept Sexocorporel.

Weitere Texte über Tantramassage auf Noras Blog

„For me, words are a form of action, capable of influencing change.“ Ingrid Bengis