Von Musik zur Massage – Teil2


Cello-wb1Maria beschreibt ihre erste Tantramassageerfahrung, ihren Weg nach Deutschland, die Entscheidung für diesen Beruf und, ganz privat, wie sie sich in Köln eingelebt hat, den ersten Karneval hier als kulturelles Ereignis und wie sie die Kölner insgesamt erlebt.

Stefanie: Jetzt interessiert mich natürlich noch, wie Du überhaupt in Deutschland gelandet bist und dann, wie Du ausgerechnet auf Tantramassage gekommen bist?

Maria: Naja, ich wollte mich in der Musik weiterentwickeln und da wurde mir Nürnberg als Lernort empfohlen. Ich habe mich an der Musikhochschule beworben und habe dort nochmal studiert. Dort fand ich einen wunderbaren Lehrer, gab selbst Unterricht an verschiedenen Musikschulen und hatte einige Schüler, habe mir also nach und nach in Deutschland ein neues Leben aufgebaut. Mit keinerlei Deutschkenntnissen am Anfang! Das war nicht immer einfach.

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SPIEGEL ONLINE über Tantra-Massagen

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Am 2. April 2016 brachte Spiegel Online ein Interview mit Katrin Aschermann zu Thema Tantramassage. Besonders gefreut haben wir uns über die Nennung des Berufsverbandes für Tantramassage

Bei uns in Köln gingen spürbar mehr Anrufe ein und die Kommentarseite zum Artikel umfasst inzwischen 76 Kommentare – sehr durchwachsene Kommentare, die leider oft bei oberflächlichen Vorwürfen stehen blieben.
Für Eva aus dem Ananda Massageteam ein Grund ebenfalls auf den Kommentarseiten deutlich Stellung zu beziehen:

Leider ist das Interview zu kurz, um wirklich einen Eindruck von dem zu vermitteln, was gemeinhin als „Neo-Tantra“ bezeichnet wird, zu dem auch die Tantramassage (abgekürzt „TM“) gehört. Deshalb möchte ich dazu ein paar Denkansätze und Erfahrungen aus meiner Arbeit mit der TM beitragen.

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Von Musik zur Massage – Teil1

pexels-photo-37719.jpegHier möchten wir Euch Maria ein wenig näher vorstellen. Bevor sie zur Tantramassage kam, war sie Berufsmusikerin. Für uns spannend, welche Ähnlichkeiten es zwischen dem Spiel auf dem Cello und dem „Spiel“ mit einem menschlichen Körper gibt. Welche Parallelen finden sich überhaupt zwischen dem professionellen Ausüben einer Kunst und unseren Massagen?

Stefanie: Liebe Maria, Du bist seit Mai 2015 hier bei uns im Ananda. Zeit, um ein wenig nachzufragen, wie es Dir bei uns geht, ob Du Dich eingelebt hast, aber auch: Wie bist Du überhaupt zur Tantramassage gekommen? Denn ursprünglich hast Du viele Jahre Cello studiert und somit ein ganz anderes Leben geführt.

Maria: Ja, ich komme aus einer italienischen Musikerfamilie, so dass ich schon als Kind mit Klavier und Gesang begonnen habe. Mit neun Jahren fing ich an, Cello zu studieren. In Italien läuft es ein wenig anders: die Ausbildung dauert 12 Jahre, neben dem Besuch eines Gymnasiums. Es bleibt kaum Zeit für Entspannung und Privatleben.

Stefanie: Das klingt nach einem Leben voller Disziplin, Aus- und Fortbildungen, Lernen. Gibt es Parallelen zu dem, was Du jetzt tust? Weiterlesen

„Das ist doch irgendwas mit Sex?“

TantramassageIch liebe meine Arbeit. Ich bin froh, das sagen zu können, denn ich musste Mitte vierzig werden, bis ich herausgefunden habe, was mich wirklich glücklich macht: Menschen zu berühren.

Im Hochsommer bin ich mit dem ICE quer durch Deutschland gefahren und nachdem wegen der Hitze erst ein Notarzteinsatz und dann ein starkes Gewitter meine Fahrt verzögert hatten, war es nach Mitternacht und ich erreichte den letzten Anschlusszug, der mich an diesem Tag zu meinem Zielort hätte bringen können, nicht mehr. Wie ich feststellen durfte, finanziert die Bahn ihren Fahrgästen in solchen Fällen eine Fahrt mit dem Taxi.
Kurz darauf saß ich also in einem elfenbeinfarbenen Mercedes, neben mir ein leicht genervter Fahrer, im Fond ein junger Marinesoldat, dessen Kaserne keineswegs auf meiner Route lag und im Kofferraum mein großer schwarzer Koffer.

„Wohin soll es denn gehen?“ fragte der Fahrer mich im unverkennbaren Jargon der Hafenquartiere. Ich nannte den Namen des abgelegenen Seminarhauses und nachdem sein Navi die Adresse gefunden und ich ihm den Gefallen getan hatte, die Blitzer-App auf meinem Handy zu aktivieren, entspannte sich die Stimmung etwas. „Was wird denn da geboten?“ wollte er wissen. Vor uns lag eine lange Fahrt über Landstraßen, er war müde und konnte Unterhaltung gebrauchen, das leuchtete mir ein. „Ich fahre zu einem Massageseminar“ antwortete ich betont kühl und überlegte, wie ich das Thema wechseln könnte. Schließlich war es Nacht und ich saß mit zwei fremden Männern in einem fremden Auto. Aber ich war erschöpft von der langen Fahrt und der Hitze. Mir fiel nichts ein und im Lügen bin ich schlecht.

Er reagierte, wie bisher jeder reagiert hat, dem ich von meinem neuen Beruf erzähle: Erst mit nervösem Lachen, dann mit gespanntem Schweigen, schließlich mit ehrlichem Interesse und offenherzigen Fragen

„Ah, Sie wollen Massage lernen?“ hakte er nach. Sein Ton war nicht unfreundlich, verriet aber deutlich, was er von derlei Zeitvertreib hielt. „Nein, ich assistiere bei der Ausbildung“ sagte ich mit kalkulierter Arroganz und hoffte, ihn damit ausreichend einzuschüchtern, um weitere Nachfragen zu unterbinden. Verstohlen warf ich einen Blick auf die Rückbank und sah, dass mein Mitreisender mit dem Kopf auf seinem Seesack eingeschlafen war. Immerhin hatte ich jetzt nur noch einen Zuhörer. Den Taxifahrer schienen meine ausweichenden Antworten anzuspornen, es klang fast provokant, als er fragte: „Sie sind Physiotherapeutin?“ Plötzlich musste ich lachen. Die Situation war einfach zu komisch. Ich entschied mich einmal mehr, einfach die Wahrheit zu sagen und antwortete: „Nein, ich bin Tantramasseurin.“
Er reagierte, wie bisher jeder reagiert hat, dem ich von meinem neuen Beruf erzähle: Erst mit nervösem Lachen, dann mit gespanntem Schweigen, schließlich mit ehrlichem Interesse und offenherzigen Fragen. Es wurde eine sehr kurzweilige Fahrt und als er zwei Stunden später meinen schweren Koffer auf dem gepflasterten Hof des Seminarhauses auslud, verabschiedete er sich mit Handschlag und bedankte sich bei mir. Ich hatte ihn berührt.

Das T-Wort 

Ich habe noch nicht viele professionelle Massagen gegeben, weil ich noch nicht die passenden Rahmenbedingungen habe, um diese Tätigkeit mit meinem Familienleben zu vereinbaren. Ich suche nach eigenen Räumen und ich bin dabei, mich auf die Arbeit mit Frauen zu spezialisieren. Dafür gibt es so schöne Namen wie „Perlentor“, „Rosenblütenmassage“ oder „Schossraumheilung“. Das einzige Wort, das wir im deutschsprachigen Raum auf jeden Fall meiden sollten, sagte meine Ausbilderin kürzlich, sei das Wort „Tantramassage“.
Mich macht das traurig und wütend, aber wahrscheinlich werde auch ich diesen Rat beherzigen. So wie viele meiner Kolleginnen und Kollegen, die ihre wunderbare Arbeit mit mehr oder weniger blumigen Formulierungen umschreiben, damit Google dieses Wort, das ihre Haltung von tief empfundenem Respekt und wertungsfreier Annahme von allem Menschlichen ausdrückt, nicht aus ihrer Homepage filtert: „Tantra“. Denn die Realität ist, dass die „Tantramassage“ nicht geschützt ist und sich unter diesem Suchbegriff von der halbstündigen Erotikmassage bis zur mehrstündigen, tiefgreifenden, prozessorientierten Körperarbeit ein breit gefächertes Angebot finden lässt, das den Laien überfordert. Den Mainstream dominiert wohl eher die Assoziation von Schummerlicht, Räucherstäbchen und Gleitgel.

Tantra öffnet einen Raum für Sexualität jenseits von anerzogenen Normen und pornomäßigem Leistungsdruck und dieser Raum ist mir heilig geworden 

Wenn ich Freunde und Bekannte frage, was sie über Tantra wissen, ist die Standardantwort: „Das ist doch irgendwas mit Sex?“ Wie diese religiöse Richtung bei uns im Westen rezipiert wird sagt viel über unsere Gesellschaft, denn nur 7% der tantrischen Schriften befassen sich mit Sexualität, aber das Besondere ist in der Tat, dass diese als integraler Bestandteil der menschlichen Existenz betrachtet, geehrt und kultiviert wird. Also in etwa so, wie ein kleines Kind natürlicherweise mit seinen Geschlechtsteilen umgeht: Es berührt sie, weil sie zu seinem Körper gehören, weil sie sich gut anfühlen und das Lebensgefühl steigern. Nicht mehr und nicht weniger. Da gibt es kein „Iih, das ist eklig!“ und kein „Wow, bin ich kinky!“, kein „Das gehört sich nicht!“ und kein „Die anderen können/ fühlen/ haben bestimmt mehr, ich bin irgendwie falsch!“. Tantra öffnet einen Raum für Sexualität jenseits von anerzogenen Normen und pornomäßigem Leistungsdruck und dieser Raum ist mir heilig geworden.

Von der Selbstliebe zur Selbstfindung

Meine Ehe ist unter anderem daran gescheitert, dass wir diesen Raum nicht gefunden haben. Wir entfernten uns immer mehr voneinander und pendelten uns irgendwann beim kleinsten gemeinsamen Nenner ein, der formal die Anforderungen eines geregelten Geschlechtsverkehrs erfüllte, aber mit echter Intimität und Begegnung nichts mehr zu tun hatte. Ich fühlte mich taub und leer und flüchtete ins innere Exil, er verbrachte die Nächte vor dem Computer. Nachdem ich (erfolglos) versucht hatte, bei einem anderen etwas von meinem früheren Körpergefühl wiederzufinden und mein Mann dies herausgefunden hatte, kamen die Karten auf den Tisch.

 …ich war sexuell uninteressant und als Frau einfach nur noch langweilig, gerade gut genug für Kinder und Küche.

Er erzählte von seiner Pornosucht, der Jagd auf bewegte Bilder, auf immer stärkere Reize, die er schon lange nicht mehr kontrollieren konnte, obwohl er sich selber dafür hasste und sich ausgezehrt und überreizt fühlte. Ich war gleichzeitig angewidert und zutiefst verunsichert und zog mich komplett von ihm zurück. Ich fühlte mich in dem bestätigt, was ich insgeheim schon lange befürchtet hatte: Ich war nicht mehr schön, ich war nicht mehr begehrenswert, ich war sexuell uninteressant und als Frau einfach nur noch langweilig, gerade gut genug für Kinder und Küche.

Nähe oder gar Körperkontakt konnte ich nicht mehr ertragen. Ich reichte ihm am Esstisch den Teller so, dass unsere Hände sich nicht berührten und suchte mir einen eigenen Schlafplatz im Haus. Statt abends mit ihm vor dem Fernsehen zu sitzen, las ich Bücher über Sexualität und experimentierte mit sexueller Selbstliebe. Ich stellte fest, dass meine Vagina keineswegs taub war, sondern offenbar durch die Geburten und das Älterwerden noch viel empfindungsreicher und lebendiger als je zuvor. Das war toll, ein großes Geschenk und ich entwickelte einen neuen Stolz auf mich und meinen Körper. Doch oft liefen mir nach einem besonders schönen Orgasmus die Tränen runter, denn ich sehnte mich so sehr danach, von jemandem gesehen zu werden. Damit meine ich nicht den geilen Blick, mit dem man sich im Porno anguckt, wie eine Frau es sich selbst macht. Mein Wunsch war, so gesehen zu werden, wie ich wirklich bin.

Letzte Woche ging dieser Wunsch bei einem Seminar meiner neuen Ausbildung in „Frauenmassage und Sexualcoaching für Frauen“ in Erfüllung. Wir sollten mit unserer Partnerin ein Selbstlieberitual mit „Whitnessing“ üben. Das heißt, die eine Frau hatte 45 Minuten Zeit, sich mittels einer bestimmten Atmung und den Stimulationstechniken ihrer Wahl selbst in einen wellenförmig ansteigenden Erregungszustand zu bringen und die Energie dann zu entladen, während die andere einfach nur als Zeugin neben ihr saß. Genau wie alle anderen war ich überzeugt, dass ich in einem Raum mit zwanzig Frauen, zur Geräuschkulisse batteriebetriebener Toys und unter der Aufsicht eines Schwarms von Assistentinnen in jeden anderen Zustand als in den der Erregung kommen würde, geschweige denn dass ich mehrere Wellen davon aufbauen und mich einem Orgasmus auch nur auf Sicht nähern würde.

 …es macht für mich keinen Unterschied mehr, ob ich ihren Rücken, ihren Intimbereich oder ihren Anus massiere

Das Gegenteil war der Fall: Ich fühlte mich weder beobachtet noch gestört, sondern absolut frei und gleichzeitig geborgen und sicher inmitten dem Stöhnen, Schreien, Seufzen und Summen um mich herum. Ich spürte die anderen und ich spürte mich, Atem, Stimme und Bewegungen, alles was ich gelernt hatte, floss wie von selbst und ich erlebte meinen intensivsten selfmade-Orgasmus aller Zeiten. Als ich – noch etwas benommen – die Augen wieder öffnete, schaute meine Partnerin mich an. Ihr Blick war so weich und offen wie meiner und ich kann nicht beschreiben, wie glücklich es mich gemacht hat, dass ich mich ihr so zeigen konnte und dass sie mich so gesehen hat.

Und was ist nun mit dem Sex? 

Meine Ausbildung hat mich sehr verändert. Mein Wertesystem hat sich verschoben und meine Grenzen ebenfalls. Während ich gelernt habe Männer zu massieren, habe ich mich ihnen aus der sicheren Distanz der Professionalität wieder angenähert, Schritt für Schritt. Am Anfang muss ich beim Vorgespräch ausgesehen haben wie eine Chefsekretärin: die Beine übergeschlagen und den Schreibblock auf den Knien. Ich hatte Vorurteile und war voller Misstrauen. Doch dann habe ich Männer erlebt, die mir von ihren Ängsten, Unsicherheiten und Wünschen erzählt haben, die zu weinen anfingen, sobald ich zu Beginn des Rituales ihre Hand in meinen Händen hielt, die mir später schrieben, dass diese Erfahrung ein Wendepunkt in ihrem Leben gewesen sei. Inzwischen spielt es für mich keine Rolle mehr, dass sie nackt sind und dass ich nackt bin, es macht für mich keinen Unterschied mehr, ob ich ihren Rücken, ihren Intimbereich oder ihren Anus massiere, denn sie haben dieselbe Sehnsucht nach Berührung und wollen genauso gesehen werden wie ich.

Weil ich Tantramassagen gebe und bei Ausbildungsseminaren assistiere denken viele, ich sei eine Art Sexgöttin, jedenfalls aber eine Expertin und gelegentlich werde ich nach ein paar Gläsern Wein hinter vorgehaltener Hand nach meinen geheimen tantrischen Sex-Tricks gefragt. Es tut mir leid, aber ich kenne keine Tricks. Ich habe eine Massageausbildung mit spirituellem Hintergrund gemacht, sexuelle Interaktion war nicht Bestandteil des Curriculums. Ich habe viel über Sexualität und noch mehr über mich selber gelernt. Es war ein weiter Weg, es war mein Weg und er ist noch lange nicht zu Ende.
Was meinen privaten Kontakt zu Männern betrifft, wage ich mich nach dreieinhalb annähernd sexfreien Jahren langsam aus meinem Schneckenhaus. Es war gut, eine Pause zu machen, alles auf „reset“ zu setzen und ganz von vorne anzufangen: Bei mir. Ich weiß jetzt genauer, was ich will und ich sorge besser für mich und meine Bedürfnisse. Nicht nur beim Sex, aber auch beim Sex.

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handei_5566_2_300Die Autorin Nora schreibt über sich: Ich bin 47 Jahre alt, in Trennung und Mutter von drei Kindern im Alter zwischen 7 und 19 Jahren. Ich lebe in einem alternativen Dorfprojekt am Rande einer deutschen Großstadt. Früher habe ich Politik und Volkswirtschaft studiert und mein Geld mit Öffentlichkeits- und redaktioneller Arbeit verdient.
Die Ausbildungen in Tantramassage, Frauenmassage und Sexualcoaching für Frauen habe ich inzwischen abgeschlossen und arbeite jetzt als Gesundheitspraktikerin für weibliche Sexualität. Aktuell stehe ich am Anfang einer Fortbildung nach dem Konzept Sexocorporel.

Weitere Texte über Tantramassage auf Noras Blog

„For me, words are a form of action, capable of influencing change.“ Ingrid Bengis

 

Alex: Opfer, Täter – Heiler?

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Liebe Leser,

wir freuen uns, Euch heute ein sehr persönliches Interview mit Alexander vorzustellen, in dem er von seinen eigenen Erfahrungen mit sexuellen Übergriffen in seiner Kindheit offen berichtet und wie Tantramassage ein Weg für ihn gewesen ist, damit umzugehen und die Freude und Lust wiederzufinden.
Vielleicht können Alexanders Erfahrungen  Hoffnung geben, dass Zeit und Behutsamkeit die Wunden heilen können und wie ein Weg aussehen kann, der zu neuer Lebenslust zurück führt. 


Was hat Dich zur Tantramassage gebracht?

Das ist eine lange Geschichte. Ich wurde mit vier oder fünf Jahren von einem Bekannten meiner Mutter missbraucht. Ich hatte es völlig vergessen, und es kam als unterdrückte Erinnerung wieder hoch. Ich konnte mich zwar an Gewalt erinnern, nicht aber an einen sexuellen Missbrauch. Ich fühlte mich jedoch in meinen späteren Leben immer stark zu sexuellen Themen hingezogen, zu sexueller Freiheit. Es war mir zunächst völlig unklar, dass das, was ich dabei suchte, eine Art von Heilung war. Ich hatte starke Scham- und Schuldgefühle. Vor ungefähr fünf Jahren bekam ich in London dann meine erste Tantramassage. Das war eine unglaubliche Erfahrung. Interessanterweise geschah während der Massagesitzung selbst nicht viel. Ich bekam die Massage, verließ die Praxis, war irgendwie wütend und enttäuscht, dachte: Was für ein Mist, die hat mir bloß einen runtergeholt, das war nicht das, was ich wollte. Ich ging in einem Park spazieren, und es ist nicht leicht zu beschreiben, was dann passierte. Plötzlich fingen meine Beine zu zittern an, und dann sah ich mich selbst wieder in der Massage. Aber ich sah dabei völlig verdreht und verkrümmt aus. Ein wirklich symbolhaftes Bild, und ich wusste sofort, was es bedeutete. Ich heulte ewig. Es war ungeheuer intensiv. Meine eigene Situation war mir blitzartig klargeworden.

Die Massage hat etwas freigesetzt?

Ja, sie hat geholfen, etwas loslassen. Von diesem Moment an war ich auf der Spur. Ich hatte vorher schon darüber nachgedacht, mit Menschen als Therapeut zu arbeiten. Hier hatte ich nun einen Weg gefunden, der mir dafür sinnvoll erschien. Ich hatte immer schon diese sehr spezielle Beziehung zu den Themen Sexualität und Heilung gehabt. Ich lernte dann eine Frau kennen, die die Massage im Diamond Lotus in Berlin gelernt hatte. Sie empfahl mir die Ausbildung, und das brachte mich nach Deutschland. So begann meine eigene Reise zur Tantramassage. Nach einem Jahr in der Diamond-Lotus-Gemeinschaft kam ich nach Köln. Ich konnte durch all das einen neuen Umgang mit Gefühlen wie Scham und Schuld finden, und ich lernte ganz neue sexuelle Dimensionen kennen.

Du bringst also einen ganz besonderen biographischen Hintergrund mit. Auf welche Weise beeinflusst das Deine eigene Massagearbeit?

Es gehört zum wichtigsten, was ich gelernt habe, mit solch schwierigen Erfahrungen umzugehen. Es ist auch ein anhaltender Prozess. Zunächst musste ich meine eigene Geschichte akzeptieren und dann lernen, nicht sofort an dem anzusetzen, was ich bei anderen Menschen sehe. Bis ich etwa Ende zwanzig war, ging es mir oft darum, mich unter Beweis zu stellen, und ich neigte dazu, den Leuten Dinge auf den Kopf zuzusagen. Das war nicht hilfreich. Die größte Herausforderung ist es also, Leute zu erreichen, ohne mit dem Finger auf etwas zu zeigen und zu sagen: Hier unterdrückst Du etwas, hier hast Du ein Schuldgefühl. Es geht darum, mit diesen Dinge stillschweigend zu arbeiten, und generell darum, Menschen so zu akzeptieren, wie sie sind.

Du kennst bestimmt die mythologische Figur des verwundeten Heilers. In welcher Weise kannst du dich damit identifizieren?

Das liegt mir nahe, auf jeden Fall. Als ich C.G. Jung gelesen habe, habe ich dort einiges über den verwundeten Heiler und die Gefahren gefunden, die ihn bedrohen. Es ist ja bekannt, dass viele Leute, die in therapeutischen Berufen tätig sind, selbst Schwierigkeiten zu bewältigen hatten. Das Thema ist mir also gut vertraut, und man muss es sich immer wieder in Erinnerung rufen, da man auch mit sich selbst in diesen ganzen Prozessen arbeitet. Es geht also nicht immer nur darum, wie man dem anderen helfen kann, oft geht es auch die eigenen Themen, wenn man so eng mit Menschen arbeitet. Anfangs war ich durchaus zerrissen zwischen dem Wunsch, dem anderen und mir selbst zu helfen. Es ging ja vor allem darum, ein Grundvertrauen aufzubauen, weil das genau das ist, was einem als Opfer eines Missbrauchs genommen wird. Man hat keine Kontrolle, keine Macht und der größte Selbstausdruck, den mein eigentlich durch seine Sexualität haben kann, ist beschädigt. Deshalb ging es anfangs ganz klar darum, mein Selbstvertrauen zu finden, das Gefühl zu bekommen: Ich bin etwas wert, daher ist auch meine Sexualität etwas wert. Von diesem Punkt aus konnte ich anfangen, mit anderen zu arbeiten und versuchen, sie an einen ähnlichen Punkt zu bringen, wie ich ihn gefunden hatte.

Wie genau hilft denn eine Tantramassage dabei, mit solchen Lebenserfahrungen umzugehen? Sich vor einer fremden Person auszuziehen und sich von ihr am ganzen Körper berühren zu lassen, verlangt ja bereits großes Vertrauen.

Das, was in einer Massage gewonnen werden kann, hängt vor allem von den Klienten und ihrer Absicht ab. Wenn ihnen klar ist, dass sie nach so etwas wie Heilung suchen, ist die Chance wesentlich größer, dass dies auch passiert. Ganz allgemein ist es aber heilsam, wenn Teile des ureigenen Wesens, in diesem Fall speziell die Sexualität oder der Körper, von einer anderen Person bedingungslos akzeptiert, respektiert, genährt und geliebt werden. Das hilft, alte Formen von Beziehungen zu heilen, auch die zu sich selbst und zum eigenen Selbstbild. Ich habe es immer wieder erlebt, dass Leute sagen, sie seien noch nie so wie in der Tantramassage berührt worden. In den allermeisten Beziehungen gibt es einfach zu viel altes Gepäck. Die Art der Beziehung in der Massage schafft da einen sicheren Raum.

Auf welche andere Weise als beispielsweise eine psychotherapeutische Behandlung kann die Massage helfen?

Wir leben ja in einer ohnehin sehr vom Kopf gesteuerten Kultur. Und meist sind es intelligente Menschen, die eine Therapie machen. Doch es kann zum schlimmsten Feind werden, wenn man die eigenen Probleme einfach nur kennt. Manche Menschen, die man auf etwas hinweist, sagen nur noch reflexhaft: Ja, das weiß ich schon. Etwas auf diese Weise zu wissen, kann heißen, dass man gar nicht mehr in einem tiefen Sinne daran rühren kann. Ich erinnere mich an eine Frau, mit der ich zusammen ein Tantramassage-Seminar gemacht habe. Sie hatte bereits zwanzig Jahre Psychotherapie hinter sich – aber ich glaube, dass sie in der einen Seminarwoche mehr über sich gelernt hat als in zwanzig Jahren Therapie. Die Macht der Tantramassage liegt darin, unsere Beziehungen zu schlechten Erfahrungen und Erlebnissen, zu Traumata, verwandeln zu können. Nicht, indem man sich diese bloß bewusst macht. Es läuft viel unmittelbarer, direkter ab. Allein schon deshalb, weil die Art der Beziehung im Raum der Tantramassage eine so spezielle ist. Man merkt, wenn sich etwas gut anfühlt, auch wenn man dachte, dass dies nicht der Fall sein würde. Dies kann auf sehr rasche Weise die Beziehung zu unseren Gefühlen verändern. So war auch mein eigenes Erleben, also das Weinen im Park, kein Ausdruck von Schmerz, sondern von Freude: Endlich, so dachte ich, hat diese Sache ihren Platz. Mein Problem lag nicht in der Traumatisierung selbst, sondern darin, dass das Gefühl dazu unterdrückt und verboten war. Eine Frau sagte mir mal während einer Massage, die ich ihr gab: Ich fühle mich schuldig, dass ich das gerade so genieße. Aus meiner Sicht ist es einer der wichtigsten Aspekte der Tantramassage, dass einem klar wird, dass es erlaubt ist, sich gut zu fühlen, sich beseelt vor Glück zu fühlen. Ja, es ist nicht nur erlaubt, es ist eine Art Grundrecht von uns als Menschen.

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Alexander kommt aus London und ist seit Sommer 2013 Teil des Ananda Teams. Er spricht englisch und nur wenig deutsch.
Tipp: Paarmassagen oder vierhändige Massage von Alex und seiner Partnerin Stina sind ein ganz besonderes Erlebnis.

Werde Teil der Ananda-Kultur!

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Wir verlosen 3 x 2 VIP Karten für unsere Ananda-Sommerparty am 15. August 2015!

Schau hinter die Kulissen, feiere mit unseren Masseurinnen/Masseuren und deren Freunden ein rauschendes, sinnliches Fest in den Ananda-Räumen.

Doch die Freude will verdient sein: Was war in diesem Jahr Euer Beitrag zur sexuellen Kultur? Habt Ihr eine Massage verschenkt, jemandem beim Aussuchen von Sexspielzeug unterstützt, ein alle Sinne beglückendes Essen veranstaltet, den Partner/die Partnerin mit einer erotischen Überraschung verwöhnt?

Schickt uns Eure Geschichte und nehmt an der Verlosung der Eintrittskarten teil.

Die schönsten Geschichten werden in unserem Blog und/oder auf Facebook veröffentlicht (auf Wunsch anonym, bzw. nur mit Vornamen). Also schnell an die Tastatur, wer noch dabei sein möchte und schreibt an kontakt (at) ananda-massage(punkt)de!

Einsendeschluss ist am Sonntag, den 9. August, 23.59 Uhr und die Gewinner bekommen ihre Einladung zur Party am Montag zugeschickt.

Das Motto unserer Party ist diesmal: Ananda goes queer!

Es erwarten Dich Musik, Show, Tanz, Freundschaft, Geselligkeit, Lebensfreude, Sinnlichkeit, Kuschel- und Tanzräume. Für Getränke vielerlei Art ist gesorgt und wir möchten Dich an unserem Ananda-Spirit teilhaben lassen, Freunden und Partnern unseres Teams Einblicke hinter die Kulissen geben und insgesamt mit tollen Menschen eine warme Sommernacht durchfeiern.

Wir laden Dich ein zu einem Spiel mit den Geschlechterrollen: Komm als Mann, als Frau, als Mischwesen, als Drag-Queen – was immer Dir einfällt, zeig uns Deine anderen Seiten. Gemeinsam erfüllen wir das Ananda mit diesem bunten und vielfältigen Leben!

Hinweis: die Ananda Party ist eine interne Veranstaltung – die Praxis bleibt geschlossen vom 15.8. 16.00 bis 16.8. 16.00 Uhr.
Es werden keine Tickets für diese Party verkauft. 

Neu: Handwerkerabend für den Mann

Handwerkerabend:
der Handarbeitsabend für Männer

Weibliche Intim-Massage und sexuelle Kommunikation

Tipps und Tricks und kleine Kniffe, die das Liebesleben schöner machen! Neben unserem beliebten Handarbeitsabend für Frauen dürfen nun auch die Handwerker ran!

Andrea Silwanus zeigt Männern, wie sie ihrer Liebsten größte Wonnen bereiten können und so zum Fachmann in Sachen Liebeskunst werden können.

Weitere Informationen und Termine finden Sie hier.

faders_exampleElla-Andrea-Tantra-MassageAndrea unterstützt das Ananda-Massageteam sowohl als aktive Masseurin, sowie auch immer wieder bei Fort- und Weiterbildungen des Teams. Durch ihre umfangreichen Ausbildungen im Bereich Körperarbeit und Coaching bringt sie ein breitgefächertes Wissen und Techniken in die tägliche Massage- und Coachingarbeit mit ein, dass sie hier gern mit Interessierten teilen möchte.

Ein Hoch auf die Männer!

Foto: Antonia Vilos

Foto: Antonia Vilos

Einmal im Jahr treffen wir uns als Ananda – Team an einem besonderen Ort in der Natur, um auf eine andere Art mit uns als Gruppe sowie als Einzelpersonen in Kontakt und Austausch zu kommen.
Diese Teamtreffen schaffen Verbindung, stärken den Einzelnen und bilden einen Teil unserer Identität und sind Massagegrundlage im Umgang untereinander sowie mit den Gästen.

Unsere Männer im Team

Seit etwa zwei Jahren haben wir wieder Männer im Team: Alexander, Guido und Oliver. Mittlerweile werden sie erfolgreich gebucht. Bis dahin war es in der Geschichte der Tantramassage ein langer Weg, der noch lange nicht zu Ende ist: immer noch sind Männer als Masseure weniger selbstverständlich als weibliche Masseure und immer noch ist es für männliche Gäste selbstverständlicher, eine Masseurin zu buchen, als für weibliche Gäste, einen Termin mit einem Masseur für sich zu reservieren oder für einen Mann, die Massage- Erfahrung von „Mann zu Mann“ zu erleben. Doch die Entwicklung der letzten Jahre weist in eine positive Richtung und diese wollten wir stärken. So näherten wir uns spielerisch dem Thema bei unserem diesjährigen Treffen im Mai in der schönen Eifel. Es gab und gibt viele offene Fragen dazu:

  • Was bedeutet es für die Männer im Team, in einem so starken Frauenumfeld zu massieren?
  • Und was bedeutet es für Männer, die zu uns kommen und Massagen buchen?
  • Oder für weibliche Gäste und Paare?
  • Unterstützen wir Frauen die Männer in ihrer Männlichkeit und wenn ja, wodurch? Und was ist Männlichkeit und Weiblichkeit überhaupt? Kann dies so klar definiert werden?
  • Wie können wir Hingabe unterstützen, die meist mit Weiblichkeit in Verbindung gebracht wird, ohne die männliche Kraft zu schwächen?
  • Welche Bedeutung hat die aktuelle Entwicklung für uns als Team? Und was bedeutet sie für die Gesellschaft?
Foto: Antonia Vilos

Foto: Antonia Vilos

Janaki, Stina und Alex bereiteten für uns eine Zeremonie vor, damit wir die unterschiedlichen Komponenten von männlich und weiblich hautnah erleben konnten. Wir bildeten eine vereinfachte Arbeitshypothese: Es gibt eine männliche und eine weibliche Kraft. Beide sind in jedem von uns vorhanden, unabhängig vom Geschlecht.

Foto: Antonia Vilos

Foto: Antonia Vilos

Das Männliche wird häufiger mit Fähigkeiten wie Logik, Analyse, Fokussierung, Zielorientierung usw. assoziiert.
Das Weibliche verbinden wir im Alltag oft mit Gefühlen, Stimmungen, Multitasking statt Fokus auf eine einzige Sache usw.
Damit verbunden werden gern steinzeitliche Bilder: der Mann als Jäger, der auf ein Ding, nämlich die Beute fixiert ist und die Frau, die Kinder, Herd und am besten alles auf einmal im Blick haben muss. Diese Vorstellungen halten sich bis heute in unsere Kultur und werden in diversen Ratgebern wie „Frauen sind von der Venus, Männer vom Mars“ immer wieder aktualisiert.

Was ist männlich? Und was weiblich?

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