Sexualität bringt die Kunst zum Blühen  

654px-Clarke_Ars_Erotica_16

Abbildung auf dem Rahmen eines Spiegels aus dem antiken Korinth, ca. 320 v. Chr. (zum Vergrößern bitte anklicken).

Schon Steinzeitmenschen malten Schwänze und Brüste an die Wände ihrer Höhlen, und die Antike hält eine große Pornosammlung auf ihren Vasen bereit. Also liegt der Ursprung der Kunst in der Darstellung von Erotik, meint der Artikel „Sinnlichkeit und Schweinereien“ auf der Website des MDR Thüringen. Autorin Sophia Hofer hat eine kleine Kulturgeschichte der Erotik verfasst, und deren Tenor ist: keine Kunst ohne Sex.

Schön sind die Hinweise des MDR-Beitrags auf den Zusammenhang von Sinnlichkeit, Kunst und Alltag in der Antike. So wiesen in Pompeij „Penis-Abbildungen in den Bürgersteigen den Weg zum nächsten Bordell oder Unterhaltungsviertel.“ Außerdem gab es eine Vielzahl von Phallusplastiken in den Haushalten, die als Glücksbringer galten. Heute würde es wohl bei so manchem Gast Irritationen auslösen, wenn ihm in der Wohnzimmerstube ein fliegender Tonpenis von der Decke entgegenschwingen würde. Ob nun als Windspiel, bei dem von jedem Schwanz ein Glöckchen hing, oder als Öllampe, aus der figürliche Phalli herauswuchsen: Damals empfand man dies offenbar als ästhetisch ansprechend und segenspendend. 

Leider handelt der Artikel etwas kurz und fantasielos ab, wie es dazu kam, dass die sexuelle Kultur der Antike aus der Öffentlichkeit verschwand. Einer der Hauptgründe war die kirchliche Moral und die damit verbundene Verbannung von Erotik in die Privatsphäre der Ehe, so Autorin Hofer. Mit der Aufklärung und der sexuellen Revolution sei der Umgang mit Sexualität zwar liberaler geworden, aber – und da findet der Artikel ein kluges Fazit – noch immer haftet an der Darstellung des Erotischen etwas Verbotenes und Peinliches: „Verstohlen kichernd kaufen sich Frauen die Lust-Bücher ‚Shades of Grey‘ und erzählen ihren Freundinnen aufgeregt von dieser und jener Passage.“

Hofer illustriert in ihrem Artikel den großen historischen Bogen der Erotikgeschichte mit Gemälden und Skulpturen, die in Thüringer Museen ausgestellt sind. Außerdem verlinkt sie auf ein lesenswertes Interview mit der Porzellankünstlerin Kati Zorn; diese modelliert wohlgeformte Damen in Domina-Outfits und Elfen, die Penisschnecken reiten. Aus Prozellan, einem der Lieblingswerkstoffe für bürgerlich-prüde Sammelobjekte, schafft sie so eine ganz eigene Form witzig-skurriler Erotika.

(Die Abbildung stammt aus dem Archiv von Wikimedia Commons und wird unter Public-Domain-Lizenz verwendet.)

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s