Awakeland – Portugal Tantra Festival 2019

Julia aus dem Ananda-Team über ihre Erlebnisse auf einem Tantra Festival in Portugal und Gedanken über einen notwendigen Sprachwandel im Tantra.

Zum ersten Mal war ich auf einem Tantra Festival. Nach zehn Jahren Tantra hatte es mich bisher nie zu einer solchen Veranstaltung gezogen. Über mein Seminarangebot in Monchique/Portugal im August kam der Vorschlag von den Veranstaltern, ich solle doch vorbeischauen. Ich kam mit vielen Fragen:

  • Wie wird Tantra in Portugal gelebt?
  • Welche Menschen machen diese Arbeit hier?
  • Wie sieht diese Arbeit aus?

Und ich wollte ein Netzwerk finden, da ich langfristig nicht nur in Köln, sondern auch in Portugal ein Arbeitsfeld aufbauen möchte.

Tantra-Festival in Portugal – Foto: Julia

Meine bisherige Erfahrung mit dem Thema Tantra in Gesprächen mit Portugiesen war eher eine gewisse Distanz. Zwar schon Neugierde, aber niemals wirklich ins Detail gehend und erst recht nicht in den Kontakt damit kommen wollend in Form einer Session oder Massage. Ich war also neugierig, ob ich überhaupt Portugiesen auf diesem Festival treffen würde und wenn ja, welche Geschichten sie zu Tantra gebracht haben und welche Möglichkeiten es in Portugal überhaupt gibt.

Paolo Lapa auf dem Tantra-Festival in Portugal – Foto: privat

Ich musste nicht lange warten und lernte auch schon den Inhaber der größten portugiesischen Tantra-Schule kennen: Paulo Lapa. Er leitet die Escola de Tantra und Escola do Amor in Lissabon und Porto, die er auf Facebook beschreibt als einen Tempel, der den Weg der Liebe lehrt und teilt.

Wir sprachen über den Stand von Tantra in Portugal. Er sagte, die Massagen hätte er ganz aufgegeben, da in diesem Kontext Tantra mit Prostitution gleichgesetzt würde. Er hat den Fokus der Massagen auf Heilung gesetzt und beschreibt sie ausführlich als eine therapeutische, heilende Sitzung, die keine konditionierten sexuellen Muster bedient, sondern neue Wege aufzeigen möchte.

Die „Therapeuten“ sind auch angezogen in den Sessions. Ansonsten gibt er Workshops: Theorie und Praxis des Tantra, für Einzelne und für Paare. Ebenfalls bietet er Kuschelabende und Tantra Retreats an. Wer in seiner Schule die Ausbildung macht, bekommt ein Diplom als Tantra Therapeut.

Massagen hat er ganz aufgegeben, da in diesem Kontext Tantra mit Prostitution gleichgesetzt würde…“

Paulo Lapa über seine Arbeit in Portugal

Im Grunde ist das bei uns auch nicht anders. Die Abgrenzung von einer sexuellen Dienstleistung läuft über eine immer bessere Qualifikation, über Zertifizierungen, die vom Verband anerkannt werden und somit deutlich machen, dass man einen eigenen Entwicklungsweg durchläuft und sowohl die Erfahrung als auch die Qualifikation mitbringt, Menschen in ihrer sexuellen Entwicklung zu begleiten. Es geht um Erweiterung und um sexuelle Kultur. Nicht zuletzt, geht es auch im Kern immer um Spiritualität, um die Transformationskraft des Herzens und um die Reinigung unserer Energiekanäle durch bewusstes Atmen.

Auch wenn wir hier in Deutschland nicht einfach so den Begriff „Therapie“ verwenden dürfen, gibt es immer wieder diese Tendenz, den Heilungsaspekt von Tantra stark in den Vordergrund zu rücken. Auch vielleicht aus einer Notwendigkeit heraus, auf diese Weise die Tiefe der Arbeit zu beschreiben oder zu unterstreichen. Auch gibt es viele Masseure/Masseurinnen, die sich als Heiler bezeichnen. Natürlich hat die Massage einen heilenden Aspekt, wie auch ein Gespräch und jeder Ausdruck von Zuneigung und Liebe. Aber hier geht es ja um eine Berufsbezeichnung, die das Vermitteln von Wissen, passives und aktives Lernen, die Erweiterung des sexuellen und sinnlichen Verständnisses sowie die Vergrößerung der Wahlmöglichkeiten für einen guten Kontakt mit dem eigenen Körper, der eigenen Sexualität und natürlich auch mit dem Partner als Arbeitsfeld hat. Unser Beruf hat eine enorme Bandbreite, die sich nicht auf Heilung reduzieren lässt, auch wenn diese natürlich ein Aspekt davon sein kann.

„Es braucht wirklich eine neue Sprache, ein Bewusstsein über sexuelle Kultur und eine Differenzierung in den unterschiedlichen Aspekten des Tuns.

Inzwischen glaube ich wirklich, dass das einfach die Begriffe sind, die in diesem Zusammenhang schon lange so genutzt werden und einfach angenommen wurden und wir hier ein neues Vokabular brauchen. Das bedeutet auch, dass wir uns dessen, was wir tun, auch immer bewusster werden müssen, um überhaupt eine Differenzierung in der Sprache hinzubekommen. Es ist einfach, den „Healer“ als den Session-Geber an einer solchen Veranstaltung zu bezeichnen und jeder weiß natürlich, was gemeint ist. In diesem Zusammenhang ist das für mich auch völlig okay und drückt keine Knöpfe, aber in einem gesellschaftlichen Zusammenhang, wo es darum geht, einen Berufstand zu etablieren, helfen diese abstrakten und schwammigen Bezeichnungen nicht wirklich. Es braucht wirklich eine neue Sprache, ein Bewusstsein über sexuelle Kultur und eine Differenzierung in den unterschiedlichen Aspekten des Tuns.

Neben den doch zahlreich vorhandenen Portugiesen kamen Menschen aus aller Welt zu diesem Festival. Zweihundert bunte, glückliche, immer freier, entspannter und freundlicher werdende Menschen. Durch viel Tanz, Biodanza, Meditationen, Yoga, vielen verschiedenen Tantra Workshops, merkte auch ich, wie ich immer mehr verbunden war und immer mehr im Herzen ankam.

Die Tage waren so aufgebaut, dass man erst die Verbindung zu sich selbst fand, dann zum „Anderen“, dem Aussen, dem Geliebten und schließlich das Ganze im Herzen transformierte in eine spirituelle Erfahrung. Viele Tantra Übungen wurden in Mann und Frau aufgeteilt. Es braucht hierfür ebenfalls eine neue Sprache, die Mann/Frau Aufteilung im Tantra ist auch nicht mehr wirklich zeitgemäß. Das wurde hier zumindest auch so kommuniziert und sexuelle Orientierung und Gender angesprochen und sich auch entschuldigt, falls diese Menschen sich nirgendwo richtig verorten konnten über den Mann/Frau Aufbau der meisten Übungen/Rituale. Ich verstehe das sehr gut, da ich ja selbst auch Tantra Seminare gebe und diese alten Rituale auf Mann und Frau ausgerichtet sind. Es ist nicht leicht, aber unbedingt notwendig hier neue Wege, eine neue Sprache, neue Rituale zu finden.

Tantra-Festival in Portugal – Zeichnung von Julia

Was sehr schön war, je spiritueller es wurde, umso mehr ging es tatsächlich um die männliche und weibliche Energie, um Bewusstsein und Präsenz, um den Vater im Himmel und um Mutter Erde, Trost spendend und tragend…. das Herz als der Verschmelzungsort dieser Energien. Im Herzen die Dualität überwindend, die Einheit als Erfahrung zumindest erahnend und daraus in die Verbindung mit dem Gegenüber gehend. Das waren schöne Highlights in diesem Festival für mich. Ebenso der spielerische Aspekt im Biodanza. Einfach nur Spiel und Freude, Rhythmus und Körper… freudig, authentisch, forschend und experimentierend. Sehr sympathisch und herzöffnend.
Hier die Infos über das Festival:
http://portugaltantrafestival.com/

Das Ganze fand statt im Awakeland in Monchique. Dort entsteht gerade eine Community, die keiner Religion oder Doktrin folgt, sondern einen Weg beschreitet, der bewusstes Leben fördern möchte. Ein Yoga und Meditation Retreat Center, welches auch einlädt, dort Gast zu sein. Ebenfalls kann man als Volunteer eine Weile dort leben und arbeiten und in der Community reifen und wachsen.

Ich bin jedenfalls sehr beschenkt von diesen Tagen nach Hause gefahren, habe so viele schöne, strahlende Menschen kennenlernen dürfen und viele Kontakte knüpfen können, die auch nach dem Festival noch Bedeutung haben werden. Einfach angenehm, sich in einem so freien, liebevollen, gesunden und respektvollen Rahmen zu begegnen. Kein Alkohol, keine Drogen und veganes Essen. Neben der emotionalen und energetischen Reinigung auch eine des Körpers und des Herzens. Ebenso habe ich für mich neue Spielwiesen entdecken können und nicht zuletzt auch ganz klar nochmal fühlen können, was mein Zugang zu Tantra ist und was mich inspiriert und weiterbringt.

Julias Sharing-Familie auf dem Tantra-Festival in Portugal – Foto: Julia

Ich hätte große Lust, im nächsten Jahr wieder teilzunehmen, gerne auch als Session-Geber oder um mit einem Shibari Basics Workshop meine Skills weitergeben zu dürfen.

Vielleicht sehe ich den Einen oder Anderen von Euch auch dort. Ich freue mich darauf!

Alles Liebe,

Julia

Ein Gedanke zu „Awakeland – Portugal Tantra Festival 2019

  1. Pingback: Newsletter Juli 2019 - TantricBodyWork.de

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.