Maria Giulia: Von Musik zur Massage – Teil2

Maria GiuliaMaria Giulia beschreibt ihre erste Tantramassageerfahrung, ihren Weg nach Deutschland, die Entscheidung für diesen Beruf und, ganz privat, wie sie sich in Köln eingelebt hat, den ersten Karneval hier als kulturelles Ereignis und wie sie die Kölner insgesamt erlebt.

Stefanie: Jetzt interessiert mich natürlich noch, wie Du überhaupt in Deutschland gelandet bist und dann, wie Du ausgerechnet auf Tantramassage gekommen bist?

Maria Giulia: Naja, ich wollte mich in der Musik weiterentwickeln und da wurde mir Nürnberg als Lernort empfohlen. Ich habe mich an der Musikhochschule beworben und habe dort nochmal studiert. Dort fand ich einen wunderbaren Lehrer, gab selbst Unterricht an verschiedenen Musikschulen und hatte einige Schüler, habe mir also nach und nach in Deutschland ein neues Leben aufgebaut. Mit keinerlei Deutschkenntnissen am Anfang! Das war nicht immer einfach.

Leider ging über diese Entfernung meine fast 10-jährige Partnerschaft in Italien in die Brüche. Das war sehr schlimm für mich und es ging mir gar nicht gut. Ich wollte aus dem Loch raus, etwas Gutes für mich machen und suchte im Internet nach Massage, also einer ganz einfachen, normalen. Dass es so etwas wie Tantramassage geben könnte: auf die Idee wäre ich zu dem Zeitpunkt niemals gekommen, das war eine ganz fremde Welt für mich.

Aber: ich stieß auf die Adresse des Massageinstituts in Nürnberg, in dem ich ein paar Jahre später dann auch gearbeitet habe. Ich schaute mir die Seite an und dachte: „Ausprobieren!“. Wobei mir wirklich nicht recht klar war, was auf mich zukommen würde. Diese erste Massage war von starken Emotionen begleitet: nie hätte ich mir vorstellen können, von einem fremden Menschen so liebevoll angenommen zu werden, gehalten und zärtlich gestreichelt. Ganz zu schweigen von einer Intimmassage durch eine fremde Frau! Doch es hat mich zutiefst berührt und bewegt und ich habe direkt nach dieser Massage gefragt: „Wo kann ich das lernen?“. Wobei ich da noch überhaupt nicht dachte, dass ich diese Massage selbst einmal beruflich weitergeben würde, ich wollte es einfach für mich lernen.

Ich suchte mir dann einen Tantrakurs nur für Frauen und fühlte mich dort sehr wohl und gut aufgehoben. Das war 2010.

Stefanie: Später folgten weitere Ausbildungen. Du hast in Nürnberg begonnen, professionell mit der Tantramassage zu arbeiten. Ich stelle mir das als große Veränderung vor: von einem Leben voller Disziplin, einem strukturierten Tagesablauf, der komplett verplant ist, keine Zeit für Hobbies. Die Tantramassage kann man nicht jeden Tag als Beruf ausführen, also auch nicht jeden Tag üben und eine Ausbildung nach der anderen, ohne Pausen, wäre auch nicht das Richtige. Du hast also wahrscheinlich mehr Freizeit als früher?

Maria Giulia: Ich habe überhaupt zum ersten Mal in meinem Leben Freizeit! Und das fühlt sich toll an. Einige Träume haben sich erfüllt: ich habe Zeit, Tanzen zu gehen und eine meiner Leidenschaften ist Tango Argentino. Musik und körperliche Bewegung kommen hier zusammen und das fühlt sich für mich ganz wunderbar an. Eine Weile habe ich auch mit einem Trio diese Musik gespielt, doch jetzt kann ich mich ganz dem Tanz hingeben.

Ich lese viel, vor allem über Ernährung, Gesundheit allgemein, Psychologie, Spiritualität und viele Tantrabücher. Und ich gönne mir was: eine Massage nach den Arbeitstagen im Ananda, einen ausgiebigen Saunabesuch. Ich kenne schon die meisten Saunen in Köln und finde sie prima. Ich bin auch sanfter zu mir geworden, gönne mir mal einen Tag Nichts-Tun, also faulenzen, was ganz Neues für mich, sorge mehr für mich und meine Bedürfnisse. Das tut mir gut.

Auch der Massageaustauch mit meinen Kolleginnen ist mir wichtig. In diesem Frauenkreis angekommen zu sein, die offenen Gespräche, das Gefühl, am richtigen Ort zu sein, all das ist eine Bereicherung für mich.

So genieße ich mein Leben und kann diese Zufriedenheit und diese glückliche Grundeinstellung an meine Gäste weitergeben. Bei Gesprächen gebe ich dann oft Buchempfehlungen und hoffe, anregend für andere zu sein und zu deren gutem Leben einen Beitrag leisten zu können.

Stefanie: Du bist ja sogar vor kurzem von Nürnberg nach Köln gezogen und lebst nun mit Isabella in einer WG. Das freut uns natürlich sehr, denn wir erleben Dich als Bereicherung für unser Team. Bist Du denn schon richtig in Köln gelandet?

Maria Giulia: Zusammen mit meinen Ananda-Kolleginnen habe ich meinen ersten Karneval in Köln erlebt und es war toll! Ich mag die Kölner: sie sind offen, freundlich, lebensfroh, man wird häufig angesprochen: auf der Straße, in der Sauna…
Und jeder duzt Dich in Köln! Das ist ganz neu für mich und ich mag es sehr, da ich selbst ein kontaktfreudiger und aufgeschlossener Mensch bin. Ansonsten war ich natürlich schon im wunderschönen Dom, bin aber gerade noch dabei, Köln mehr zu entdecken.

Stefanie: Hast Du schon eine Idee, wie es für Dich weitergehen kann, eine Vision für die Zukunft?

Maria Giulia: Im Bereich der Tantramassage gibt es noch viel, was ich lernen und an Wissen vertiefen möchte. Es stehen also noch einige Fortbildungen auf der Wunschliste.

Daneben ist mein Anliegen, oder ergänzend, mich noch weiter mit den Themen vegane und gesunde Ernährung, Spiritualität, dem Körper, Psychologie und Gesundheit allgemein zu beschäftigen. Also ein ganzheitlicher Ansatz, der alle menschlichen Themen zusammenbringt und mit berücksichtigt. Genug zu tun, zu lernen, zu erforschen für die nächsten Jahre – darauf freue ich mich.

Stefanie: Liebe Maria Giulia, das war ein tolles Gespräch und ich habe viel Interessantes über Dich erfahren. Ich danke Dir sehr für Deine Offenheit und Dein Vertrauen. So ehrlich von anderen Lebensgeschichten zu hören, ist immer auch eine große Bereicherung und ein Geschenk. Willkommen also nochmal im Ananda-Team und in Köln!
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stefanie.htmlStefanie hatte die Idee zu diesem Blog. Sie ist die Chefredakteurin bei der alle Fäden zusammenlaufen.
Gemeinsam mit der Inhaberin Martina führt sie die Massagepraxis ANANDA – Kunst der Berührung in Köln und kümmert sich dort als Teamleiterin um ca. 30 Frauen und Männer, die regelmäßig im Ananda Massagen anbieten.

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