Die Zukunft der sexuellen Kultur?

Martina Weiser - Ananda Praxisleitung

Martina Weiser – Ananda Praxisleitung

Ich kenne keinen anderen Ort, an dem so offen und frei mit Sexualität und Körperlichkeit umgegangen wird.

Die schwelle7 ist unser Forschungsort und Treffpunkt, eine Mischung aus Abenteuerspielplatz und geistiger Heimat für alle, die sich für sexuelle Körperarbeit im weitesten Sinne interessieren – und dazu gehören z. B. auch Kontaktimprovisation und Atemarbeit, das Spiel mit Seilen und eine stille Meditation. Für mich ist die schwelle7 eine Mischung aus Monte Verita und MIT.

Gerade in der heutigen Zeit und in diesem Land haben wir ungewöhnlich viel Freiheit in Bereichen, die mit Sexualität zu tun haben – aber wenig Orientierung.
Ich glaube, dass Orte wie die schwelle7 dazu beitragen, dass wir bei Ananda auch in 5 Jahren oder in 20 Jahren in der Lage sind, richtig gute Tantramassagen zu geben.

Ich glaube, dass wir die schwelle7 brauchen, um eine neue sexuelle Kultur zu entwickeln und das Leben in dieser Gesellschaft noch etwas liebenswerter zu machen.

Es ist mir ein ganz persönliches Anliegen, den Aufruf von Felix Ruckert zu unterstützen.
Über den Link kann man anonym oder öffentlich spenden bzw. Dinge erwerben. Bitte helfen Sie, damit die schwelle7 bestehen bleibt.

Herzliche Grüße

Martina Weiser
ANANDA Leitung

PS: Das xplore Festival Ende Juli ist eine gute Gelegenheit, um die Arbeit der schwelle7 kennen zu lernen – es gibt noch Tickets für 2015.

Folgende Mitglieder des ANANDA Teams unterstützen die Schwelle7 mit gespendeten Massagen und / oder ehrenamtlicher Arbeit:


 

 

Ein Hoch auf die Männer!

Foto: Antonia Vilos

Foto: Antonia Vilos

Einmal im Jahr treffen wir uns als Ananda – Team an einem besonderen Ort in der Natur, um auf eine andere Art mit uns als Gruppe sowie als Einzelpersonen in Kontakt und Austausch zu kommen.
Diese Teamtreffen schaffen Verbindung, stärken den Einzelnen und bilden einen Teil unserer Identität und sind Massagegrundlage im Umgang untereinander sowie mit den Gästen.

Unsere Männer im Team

Seit etwa zwei Jahren haben wir wieder Männer im Team: Alexander, Guido und Oliver. Mittlerweile werden sie erfolgreich gebucht. Bis dahin war es in der Geschichte der Tantramassage ein langer Weg, der noch lange nicht zu Ende ist: immer noch sind Männer als Masseure weniger selbstverständlich als weibliche Masseure und immer noch ist es für männliche Gäste selbstverständlicher, eine Masseurin zu buchen, als für weibliche Gäste, einen Termin mit einem Masseur für sich zu reservieren oder für einen Mann, die Massage- Erfahrung von „Mann zu Mann“ zu erleben. Doch die Entwicklung der letzten Jahre weist in eine positive Richtung und diese wollten wir stärken. So näherten wir uns spielerisch dem Thema bei unserem diesjährigen Treffen im Mai in der schönen Eifel. Es gab und gibt viele offene Fragen dazu:

  • Was bedeutet es für die Männer im Team, in einem so starken Frauenumfeld zu massieren?
  • Und was bedeutet es für Männer, die zu uns kommen und Massagen buchen?
  • Oder für weibliche Gäste und Paare?
  • Unterstützen wir Frauen die Männer in ihrer Männlichkeit und wenn ja, wodurch? Und was ist Männlichkeit und Weiblichkeit überhaupt? Kann dies so klar definiert werden?
  • Wie können wir Hingabe unterstützen, die meist mit Weiblichkeit in Verbindung gebracht wird, ohne die männliche Kraft zu schwächen?
  • Welche Bedeutung hat die aktuelle Entwicklung für uns als Team? Und was bedeutet sie für die Gesellschaft?
Foto: Antonia Vilos

Foto: Antonia Vilos

Janaki, Stina und Alex bereiteten für uns eine Zeremonie vor, damit wir die unterschiedlichen Komponenten von männlich und weiblich hautnah erleben konnten. Wir bildeten eine vereinfachte Arbeitshypothese: Es gibt eine männliche und eine weibliche Kraft. Beide sind in jedem von uns vorhanden, unabhängig vom Geschlecht.

Foto: Antonia Vilos

Foto: Antonia Vilos

Das Männliche wird häufiger mit Fähigkeiten wie Logik, Analyse, Fokussierung, Zielorientierung usw. assoziiert.
Das Weibliche verbinden wir im Alltag oft mit Gefühlen, Stimmungen, Multitasking statt Fokus auf eine einzige Sache usw.
Damit verbunden werden gern steinzeitliche Bilder: der Mann als Jäger, der auf ein Ding, nämlich die Beute fixiert ist und die Frau, die Kinder, Herd und am besten alles auf einmal im Blick haben muss. Diese Vorstellungen halten sich bis heute in unsere Kultur und werden in diversen Ratgebern wie „Frauen sind von der Venus, Männer vom Mars“ immer wieder aktualisiert.

Was ist männlich? Und was weiblich?

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Jetzt ist es amtlich: Tantramassage ist ein richtiger Beruf! 

Wir gratulieren Michaela Riedl zu ihrem Erfolg. Mit dabei vor Gericht Martina Weiser, Doris Mayer, Guido Dippel, Astrid Bonfigt, Elli und Chris Andersch aus dem ANANDA Team  - Foto: Antonia Vilos

Das Verwaltungsgericht Köln bestätigt, dass die Ausbildung zur Tantramasseurin TMV / zum Tantramasseur TMV nach objektiven Kriterien auf einen Beruf vorbereitet und daher von der Umsatzsteuer befreit ist.
Ein Meilenstein für die Anerkennung unserer Arbeit. Wir gratulieren Michaela Riedl die diesen Prozess gegen die Bezirksregierung Köln gewonnen hat.

Mit dabei vor Gericht Martina WeiserDoris MayerGuido DippelAstrid BonfigtELi ELi und Chris Andersch aus dem ANANDA Team.

Ann-Marlene Henning im ANANDA-Interview: Sexuelles Fachwissen statt Blabla

amh2Wir haben mit der bekannten Sexologin über Scham, Verklemmtheit und Sex als Thema in der Öffentlichkeit geredet.
Wie wir sieht auch sie sich als Pionierin auf einem Feld, das in unserer Medienwelt zwar überall präsent ist, das aber noch lange nicht die Freiheit genießt, die wir uns wünschen. Eine weitere Gemeinsamkeit fanden wir in der zentralen Bedeutung, die Ann-Marlene dem Körper gibt, wenn es darum geht, unsere Sexualität besser zu verstehen.

Auch einige unserer ANANDA-Kolleginnen sind gut geschult in der Anwendung des Sexocorporel-Konzepts, das sie in diesem Zusammenhang erwähnt. Ein hoffnungsvolles Zeichen dafür, dass sich etwas zum Positiven verändert, mag man darin sehen, dass die neue Staffel von Ann-Marlenes erfolgreicher Fernsehsendung „Make Love“ in diesem Sommer nicht mehr spätnachts in einem ARD-Landessender läuft, sondern an prominenter Stelle im ZDF.

ANANDA: Man hört Geschichten aus dem Fernsehbetrieb, dass Talkshow-Gäste nicht vor die Kamera gehen, wenn sie wissen, dass du mit ihnen gemeinsam in der Runde sitzen wirst. Gleichzeitig behandelt man dich freundlich und macht dir vielfach Komplimente für deine Arbeit – aber nur, wenn keiner zuguckt. Herrscht hier also eine Art Doppelmoral? Weiterlesen

Liberty-Coaching statt „Shades of Grey“

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Wie kann sich das anfühlen wenn Lust und Schmerz – ganz freiwillig – zusammengeht?
Was muss man beachten?
Wo kann man die allerersten Schritte wagen?

Das ANANDA Labor hat eine Antwort für alle, die auch ein bisschen neugierig aus dem Shades of Grey Film gekommen sind. Eine individuelle Einführung in die Grenzerfahrung von Tantra und BDSM.
Das Liberty-Coaching für Singles und Paare.

Steffi: Hallo ihr beiden. Danke, dass ihr euch Zeit genommen habt für dieses Interview. Ihr seid ja schon seit Anbeginn der Liberty im Fachteam aktiv dabei, inzwischen leitet ihr die Liberty -Fortbildung für das Team und nun habt ihr ein Liberty-Coaching entwickelt. Wie seid ihr darauf gekommen und was genau kann ich mir darunter vorstellen? Weiterlesen

Julia: Hurenherz

julia-tantra-massage-1Eine kraftvolle Erzählung unserer Kollegin Julia über den manchmal steinigen Weg als Tantramasseurin im „normalen“ (Beziehungs-) Alltag zu bestehen und aufrecht dazu zu stehen. Themen und Probleme mit denen fast alle Masseure und Masseurinnen leider immer noch zu kämpfen haben. Aber dieser Text macht Mut und Freude, zur eigenen Arbeit und inneren Berufung zu stehen sowie damit Lebenslust, Sinnlichkeit und sexuelles Wissen in die Welt zu tragen.

Tantramasseurin: ein schöner Beruf. Das kann ich endlich aus ganzem Herzen sagen, nach vielen Jahren der Auseinandersetzung mit meiner Arbeit. Im letzten Jahr, nach einer erneuten Trennung „wegen meiner Arbeit“, bin ich noch einmal verstärkt in Auseinandersetzung damit gegangen. Meine Ziele. Meine Werte. Meine Heimat. Freude, Schmerz. Ich habe drei wichtige Beziehungen in meinem Leben durch meine Arbeit verloren. Alle drei scheiterten an der Hilflosigkeit im Umgang mit den Ängsten, die meine Arbeit ausgelöst hat. An den Bewertungen. Vielleicht auch an der Angst vor den Bewertungen der Gesellschaft. An der Angst vor Verlust. Auch vor dem Verlust von Intimität und Exklusivität. Nach wirklich schlimmen Auseinandersetzungen mit meiner letzten Beziehung, meiner „großen Liebe“, in welchen meine Stellungnahme zu meiner Arbeit schlicht als Blase abgetan wurde und vielfältige Diagnosen aufgestellt wurden, die meine Tätigkeit als Tantramasseurin beurteilten oder untermalten, musste ich gehen. Mit gebrochenem Herzen, da ich das Gefühl hatte, über meinen Beruf weder gehört noch verstanden und letzten Endes auch nicht geliebt worden zu sein.

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kGoal – ein Computerspiel mit „Joystick“?

Größenvergleich: kGoal, Elanee, Liebeskugeln (fun factory), Ei aus Berkristall, Jade-Ei.

Größenvergleich: kGoal, Elanee, Liebeskugeln (fun factory), Ei aus Berkristall, Jade-Ei.

Können Beckenboden-Übungen Spaß machen? von Martina Weiser  Facebook im Sommer 2014 – ich stolpere über einen Crowdfunding-Aufruf. Der Satz, der mich angezogen hat: Beckenboden-Übungen, die Spaß machen. Eine Firma in San Francisco suchte bei Kickstarter.com nach Geldgebern. Ich gab spontan 10 Dollar und wurde fortan über den weiteren Verlauf informiert. Letzte Woche war es endlich so weit und ich konnte, wahrscheinlich als eine der Ersten in Deutschland, meinen kGoal aus der Verpackung befreien.

kGoal Lieferumfang mit USB Ladekabel (Herstellerfoto)

kGoal Lieferumfang mit USB-Ladekabel (Herstellerfoto)

Er kommt ausgesprochen schick und apple-like daher; die Form, die Verarbeitung, die Verpackung. Für mich hätte es nicht unbedingt blau sein müssen – aber das ist nebensächlich. kGoal wird über die Steckdose aufgeladen und – jetzt kommt der ungewöhnliche Teil – dann lädt man sich eine App für sein Telefon herunter und verbindet beides über Bluetooth. All das hat in der Praxis tadellos funktioniert.

Im Internet habe ich eine vernichtende Rezension in einem amerikanischen Magazin gefunden. Die Frau hatte Probleme, den kGoal einzuführen, und spürte ein starkes Brennen sowie Schmerzen während der Anwendung. Diese Informationen bremsten meine Vorfreude etwas …

Mit einigen Zweifeln habe ich mich der Sache trotzdem genähert. Abends im Bett, mit dem Tütchen Gleitgel, das beilag, und meinem iPhone. In der Tat hat das Gleitgel am Anfang ein leichtes Brennen verursacht, das aber schnell abebbte. Ich vermute, es wurde durch Konservierungs- und Duftstoffe verursacht. Um das Einführen zu erleichtern, kann man aus dem kGoal-Ballon über ein Ventil Luft ablassen und ihn später in der Vagina bei Bedarf wieder vergrößern. Ein bisschen Gefummel, aber es funktioniert. Die Größe des Ballons verändert die Übungen deutlich. Weiterlesen

Ananda-Masseurin Julia über „Shades of Grey“

fifty-shades-grey-erstes-57067_bigMit dem Auftrag, als Liberty-Fachfrau einen Blogbeitrag für Ananda zu schreiben, habe ich mir den Film „Shades of Grey“ angesehen. Ich hatte keine großen Erwartungen, da ich bereits viele Stimmen aus der BDSM-Szene und von SexarbeiterInnen vernommen hatte, die alle negativ ausfielen. Allerdings fand ich den Film tatsächlich noch schlechter als erwartet. Das unsichere, verschüchterte, jungfräuliche Mädchen trifft auf den attraktiven Multimilliardär, der sie in die Welt des BDSM einführt. Bis dahin ein schlechter Liebesroman, aber man könnte die Fantasie von einem starken, erfolgreichen Mann durchaus verstehen und stehen lassen. Dass BDSM in einer Mainstream-Verpackung daherkommt, könnte man durchaus eher als positiv sehen und hoffen, dass Menschen dadurch neue Wege finden, ihre Lust zu vertiefen, zu erweitern. Wie so oft aber, wenn der Mainstream mit Sexualität angesprochen wird, wird pathologisiert. Das fand ich schon bei Nynphomaniac schade. Entgegen der alten Vorstellung der pervertierten sexuellen Entwicklung hin zu BDSM durch früheren Missbrauch oder eine geistige Störung zeigen aktuelle Studien, dass Paare, die BDSM leben, sogar eine bessere mentale Gesundheit aufweisen, dass sie ausgeglichener sind, weniger neurotisch, offener, empfindsamer für die Grenzen des Partners und insgesamt sicherer in ihrer Beziehung stehen. Quelle: Huffingtonpost Mr. Grey, die männliche Hauptfigur des Films, aber hat eine traumatische Vergangenheit und bearbeitet seine Verletzungen über seine Beziehung, bzw. seine Sexualität. Bis hierhin ist alles noch nachvollziehbar − wer macht das denn nicht? Die eigene Geschichte spielt auch in unserer Sexualität eine Rolle und jeder findet Wege, diese zu leben und damit auf einem guten Weg zu sein. Fifty-Shades-of-Grey-Trailer-DeutschDiese Geschichte aber beschreibt eine Sexualität voller Grenzüberschreitungen, die als Missbrauch gedeutet werden könnten. Mal abgesehen vom klassischen Gender-Kitsch „starker Mann, schwaches Weibchen“. Eine Neuauflage von der Geschichte der O, die von ihrem Herrn zu seiner Lustsklavin erzogen wurde, die für all seine sexuellen Gelüste und die seiner Gäste zur Verfügung stand. Das war damals ein Skandal, war allerdings deutlicher und nur für eine Subkultur geschrieben, nicht für den Mainstream. Weiterlesen