kGoal – ein Computerspiel mit „Joystick“?

Größenvergleich: kGoal, Elanee, Liebeskugeln (fun factory), Ei aus Berkristall, Jade-Ei.

Größenvergleich: kGoal, Elanee, Liebeskugeln (fun factory), Ei aus Berkristall, Jade-Ei.

Können Beckenboden-Übungen Spaß machen? von Martina Weiser  Facebook im Sommer 2014 – ich stolpere über einen Crowdfunding-Aufruf. Der Satz, der mich angezogen hat: Beckenboden-Übungen, die Spaß machen. Eine Firma in San Francisco suchte bei Kickstarter.com nach Geldgebern. Ich gab spontan 10 Dollar und wurde fortan über den weiteren Verlauf informiert. Letzte Woche war es endlich so weit und ich konnte, wahrscheinlich als eine der Ersten in Deutschland, meinen kGoal aus der Verpackung befreien.

kGoal Lieferumfang mit USB Ladekabel (Herstellerfoto)

kGoal Lieferumfang mit USB-Ladekabel (Herstellerfoto)

Er kommt ausgesprochen schick und apple-like daher; die Form, die Verarbeitung, die Verpackung. Für mich hätte es nicht unbedingt blau sein müssen – aber das ist nebensächlich. kGoal wird über die Steckdose aufgeladen und – jetzt kommt der ungewöhnliche Teil – dann lädt man sich eine App für sein Telefon herunter und verbindet beides über Bluetooth. All das hat in der Praxis tadellos funktioniert.

Im Internet habe ich eine vernichtende Rezension in einem amerikanischen Magazin gefunden. Die Frau hatte Probleme, den kGoal einzuführen, und spürte ein starkes Brennen sowie Schmerzen während der Anwendung. Diese Informationen bremsten meine Vorfreude etwas …

Mit einigen Zweifeln habe ich mich der Sache trotzdem genähert. Abends im Bett, mit dem Tütchen Gleitgel, das beilag, und meinem iPhone. In der Tat hat das Gleitgel am Anfang ein leichtes Brennen verursacht, das aber schnell abebbte. Ich vermute, es wurde durch Konservierungs- und Duftstoffe verursacht. Um das Einführen zu erleichtern, kann man aus dem kGoal-Ballon über ein Ventil Luft ablassen und ihn später in der Vagina bei Bedarf wieder vergrößern. Ein bisschen Gefummel, aber es funktioniert. Die Größe des Ballons verändert die Übungen deutlich.

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App und kGoal (Herstellerfoto)

Habe ich eigentlich schon erwähnt, dass der kGoal vibriert, wenn frau ihn drückt? Es vibriert wahlweise der Ballon in der Vagina oder der Griff in Klitorisnähe oder beides – oder auch keins davon. Bei mir darf alles vibrieren und ich empfinde es als ein hilfreiches direktes Feedback und auch als eine kleine Belohnung für das richtige Üben. Im zweiten Schritt starte ich das Workout-Programm auf meinem Telefon. Am Anfang soll man die Beckenbodenmuskulatur so fest anspannen, wie man kann, die App nimmt diese Anfangsmessung zur Grundlage für die weiteren Übungen.

So liege ich also in meinem Bett und verfolge mit Kraft meines PC-Muskels eine Linie, die sich über den Bildschirm bewegt. Ein kurzer Hinweis, und eine Ziellinie gibt die Übung vor. Ich spanne meinen PC-Muskel an – meine Anstrengung wird als farbiger Balken auf dem Display sichtbar. Der farbige Balken bemüht sich redlich der Ziellinie hinterherzukommen. Es gibt die Einheit „Anspannen und Halten“, „kurzes und schnelles Anspannen und Loslassen“ und meinen Lieblingsteil „kontrolliertes Anspannen“, bei dem sich die Ziellinie langsam bewegt und man die Bewegungen durch sehr bewusstes Anspannen verfolgt. Und es macht wirklich Spaß! Am Ende des 5-Minuten-Workouts bekommt man jeweils Punkte in den drei Bereichen Kraft, Ausdauer und Kontrolle sowie ein Endergebnis, das in einer Übersicht gespeichert wird. Auch das ist schlau eingefädelt, weil man so quasi gegen sich selbst spielt und motiviert ist das Ergebnis vom Vortag zu übertrumpfen.

Ich bin kein Anfänger, was Beckenbodenübungen angeht. PC-Muskeltraining, Beckenbodenübungen, Kegelübungen – all das sind Begriffe, die sich auf einen Bereich in unserer Körpermitte beziehen, der uns viel Freude bereiten kann oder auch viel Leid – je nachdem, wie viel Kontakt wir damit pflegen. Ich persönlich liebe das Spiel mit dem PC-Muskel, während ich Sex habe. Es ist wie ein innerliches Umarmen meines Partners, ich beeinflusse die Intensität und last not least erfreut es meinen Partner. Ich behaupte, dass mein Verhältnis zu meinem PC-Muskel ein sehr gutes war bis zur Geburt meiner Tochter. Danach habe ich mich gefühlt wie jemand, der sich ein Bein gebrochen hat und langsam wieder laufen lernt.

Rückbildungskurse, Physiotherapie und Pilates sind auf jeden Fall sinnvoll – wer jedoch ein gutes Ergebnis haben will, der kommt am regelmäßigen Üben nicht vorbei, und Beckenbodenübungen sind saulangweilig!

Was der Markt an Hilfsmitteln anbietet, lässt sich grob in folgende Kategorien unterteilen:

  • Dinge, die man einführt und die durch ihr Gewicht oder durch ihre Form und Größe zu Übungen inspirieren sollen. Zum Beispiel das klassische Jade-Ei oder Elanee Phase I (ist ganz nett und kostet nicht viel)
  • Liebeskugeln in allen Größen und Farben, die irgendwie bei Bewegung schwingen. Diese Schwingungen sollen den Beckenboden stimulieren (fand ich persönlich nicht interessant)
  • aufblasbare Ballons, die mit einer Druckanzeige versehen sind (ähnlich wie beim Aufpumpen eines Autoreifens). Die gemessenen Werte zeigen die vorhandene Kraft und mit einem Übungstagebuch kann man die Fortschritte festhalten (z. B. EPI-NO Delphine Plus für ca. 120,- Euro oder PelvIQ – ist viel Gefummel und Reinigungsaufwand wegen der Leitungen und bringt wenig Spaß).

All das verstaubt auf meinem Regal, das Jade-Ei ist dabei wenigstens noch dekorativ.

PelvIQ - mit dem Charme einer Luftpumpe

PelvIQ: mit dem Charme einer Luftpumpe

Der Vollständigkeit halber möchte ich noch auf die Möglichkeit einer Muskelstimulation durch Strom hinweisen. Der Muskel bewegt sich durch den Stromimpuls von außen – nicht durch eine willentliche Übung. Auch das habe ich mal getestet, es war mir nicht geheuer und ich habe das Thema nicht weiter verfolgt. Mein Fazit zum kGoal

positiv:

  • es macht Spaß
  • es lässt sich leicht reinigen, da es keine Kabel gibt
  • aufladbarer Akku
  • gut verarbeitet und optisch schön
  • die Größe kann durch ein Luftventil angepasst werden
  • es kann vibrieren (abschaltbar)

negativ: 

  • zur Zeit nur iOS App (die Android-Version ist in Arbeit)
  • nicht wasserdicht
  • für manche Frauen zu groß
  • nur ein Workout-Programm (ich hoffe, das ändert sich bald)
  • es soll Leute geben, die empfindlich auf Bluetooth reagieren
  • App nur auf Englisch
  • sollte ausschließlich mit Gleitgel auf Wasserbasis verwendet werden, da silikonbasierende Gleitmittel dem Material schaden können
  • teuer

Der kGoal von Minna Life kostet 149 Dollar (ca. 140 Euro). Er ist momentan nur im Ausland erhältlich.

Das Spiel "Alice in Continent" bei Skea

Das Spiel „Alice in Continent“ bei Skea

Für ein sehr ähnliches Produkt wurde kurze Zeit später ebenfalls bei Kickstarter Geld gesammelt: das in China entwickelte „Skea – Smart Kegel Exercise Aid„. Hier hat man offensichtlich ein typisches Computerspiel mit einer Figur, die über Hindernisse springen muss. Das Gerät soll ebenfalls eine Vibrationsfunktion haben und ist derzeit noch nicht erhältlich (Stand März 2015).

faders_examplemartina-tantra-massageMartina gehört zu den Pionieren der deutschen Tantramassage-Szene. Sie hat die Massagepraxis „ANANDA – Kunst der Berührung“ 1997 gemeinsam mit Freunden gegründet. 2004 hat sie den Berufsverband Tantramassage ins Leben gerufen und war mehrere Jahre im Vorstand aktiv. Martina unterstützt das Blog finanziell und manchmal auch mit eigenen Texten. Sie tritt für eine Gesellschaft ein, in der das Wissen über Sexualität genauso wichtig und angesehen ist wie das Wissen um körperliche und  seelische Gesundheit.

2 Gedanken zu „kGoal – ein Computerspiel mit „Joystick“?

    • Der PelvIQ hat einen extra kleinen Aussatz für den Analbereich und manche Männer haben vielleicht auch Spaß mit einem Elektrostimulator, den gibt es auch mit Analsonden 🙂

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