Liberty-Coaching statt „Shades of Grey“

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Wie kann sich das anfühlen wenn Lust und Schmerz – ganz freiwillig – zusammengeht?
Was muss man beachten?
Wo kann man die allerersten Schritte wagen?

Das ANANDA Labor hat eine Antwort für alle, die auch ein bisschen neugierig aus dem Shades of Grey Film gekommen sind. Eine individuelle Einführung in die Grenzerfahrung von Tantra und BDSM.
Das Liberty-Coaching für Singles und Paare.

Steffi: Hallo ihr beiden. Danke, dass ihr euch Zeit genommen habt für dieses Interview. Ihr seid ja schon seit Anbeginn der Liberty im Fachteam aktiv dabei, inzwischen leitet ihr die Liberty -Fortbildung für das Team und nun habt ihr ein Liberty-Coaching entwickelt. Wie seid ihr darauf gekommen und was genau kann ich mir darunter vorstellen? Weiterlesen

Julia: Hurenherz

julia-tantra-massage-1Eine kraftvolle Erzählung unserer Kollegin Julia über den manchmal steinigen Weg als Tantramasseurin im „normalen“ (Beziehungs-) Alltag zu bestehen und aufrecht dazu zu stehen. Themen und Probleme mit denen fast alle Masseure und Masseurinnen leider immer noch zu kämpfen haben. Aber dieser Text macht Mut und Freude, zur eigenen Arbeit und inneren Berufung zu stehen sowie damit Lebenslust, Sinnlichkeit und sexuelles Wissen in die Welt zu tragen.

Tantramasseurin: ein schöner Beruf. Das kann ich endlich aus ganzem Herzen sagen, nach vielen Jahren der Auseinandersetzung mit meiner Arbeit. Im letzten Jahr, nach einer erneuten Trennung „wegen meiner Arbeit“, bin ich noch einmal verstärkt in Auseinandersetzung damit gegangen. Meine Ziele. Meine Werte. Meine Heimat. Freude, Schmerz. Ich habe drei wichtige Beziehungen in meinem Leben durch meine Arbeit verloren. Alle drei scheiterten an der Hilflosigkeit im Umgang mit den Ängsten, die meine Arbeit ausgelöst hat. An den Bewertungen. Vielleicht auch an der Angst vor den Bewertungen der Gesellschaft. An der Angst vor Verlust. Auch vor dem Verlust von Intimität und Exklusivität. Nach wirklich schlimmen Auseinandersetzungen mit meiner letzten Beziehung, meiner „großen Liebe“, in welchen meine Stellungnahme zu meiner Arbeit schlicht als Blase abgetan wurde und vielfältige Diagnosen aufgestellt wurden, die meine Tätigkeit als Tantramasseurin beurteilten oder untermalten, musste ich gehen. Mit gebrochenem Herzen, da ich das Gefühl hatte, über meinen Beruf weder gehört noch verstanden und letzten Endes auch nicht geliebt worden zu sein.

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Ananda-Masseurin Julia über „Shades of Grey“

fifty-shades-grey-erstes-57067_bigMit dem Auftrag, als Liberty-Fachfrau einen Blogbeitrag für Ananda zu schreiben, habe ich mir den Film „Shades of Grey“ angesehen. Ich hatte keine großen Erwartungen, da ich bereits viele Stimmen aus der BDSM-Szene und von SexarbeiterInnen vernommen hatte, die alle negativ ausfielen. Allerdings fand ich den Film tatsächlich noch schlechter als erwartet. Das unsichere, verschüchterte, jungfräuliche Mädchen trifft auf den attraktiven Multimilliardär, der sie in die Welt des BDSM einführt. Bis dahin ein schlechter Liebesroman, aber man könnte die Fantasie von einem starken, erfolgreichen Mann durchaus verstehen und stehen lassen. Dass BDSM in einer Mainstream-Verpackung daherkommt, könnte man durchaus eher als positiv sehen und hoffen, dass Menschen dadurch neue Wege finden, ihre Lust zu vertiefen, zu erweitern. Wie so oft aber, wenn der Mainstream mit Sexualität angesprochen wird, wird pathologisiert. Das fand ich schon bei Nynphomaniac schade. Entgegen der alten Vorstellung der pervertierten sexuellen Entwicklung hin zu BDSM durch früheren Missbrauch oder eine geistige Störung zeigen aktuelle Studien, dass Paare, die BDSM leben, sogar eine bessere mentale Gesundheit aufweisen, dass sie ausgeglichener sind, weniger neurotisch, offener, empfindsamer für die Grenzen des Partners und insgesamt sicherer in ihrer Beziehung stehen. Quelle: Huffingtonpost Mr. Grey, die männliche Hauptfigur des Films, aber hat eine traumatische Vergangenheit und bearbeitet seine Verletzungen über seine Beziehung, bzw. seine Sexualität. Bis hierhin ist alles noch nachvollziehbar − wer macht das denn nicht? Die eigene Geschichte spielt auch in unserer Sexualität eine Rolle und jeder findet Wege, diese zu leben und damit auf einem guten Weg zu sein. Fifty-Shades-of-Grey-Trailer-DeutschDiese Geschichte aber beschreibt eine Sexualität voller Grenzüberschreitungen, die als Missbrauch gedeutet werden könnten. Mal abgesehen vom klassischen Gender-Kitsch „starker Mann, schwaches Weibchen“. Eine Neuauflage von der Geschichte der O, die von ihrem Herrn zu seiner Lustsklavin erzogen wurde, die für all seine sexuellen Gelüste und die seiner Gäste zur Verfügung stand. Das war damals ein Skandal, war allerdings deutlicher und nur für eine Subkultur geschrieben, nicht für den Mainstream. Weiterlesen

Dhyans Geschenk

Dhyan1Dhyan, März 2014 im Arp Museum, Bahnhof Rolandseck

Unsere Kollegin und Freundin Dhyan ist gestorben. Wir, ihre ANANDA-Schwestern, denken an sie mit viel Freude und Inspiration.

Als TantramasseurInnen befassen wir uns mit bewusster Körperwahrnehmung, intimer Berührung eines unbekannten Menschen und erotischer Kunst. Themen, die für uns Alltag sind, vertraut und inspirierend. Für andere Menschen sind sie jedoch ungewöhnlich und für viele auch ein Tabu. Etwas, dem mensch lieber ausweicht.

Seit September 2013 waren wir selbst mit einem ungewohnten Thema konfrontiert. Unsere Kollegin Dhyan teilte uns mit, dass sie Krebs hatte. Sie entschied sich, keine Chemotherapie zu machen und nicht zu kämpfen. Statt dessen begann sie, die Situation zu akzeptieren und sich auf ihren Tod vorzubereiten.

Durch ihre Offenheit mit dem Thema „Sterben“ und ihrer Erlaubnis und Einladung an uns, sie so nah begleiten zu dürfen, hat sie uns allen aus dem Ananda-Team ein großes Geschenk gemacht. Ihr letzter Weg ist durch Mut, ein großzügiges Herz, sowie dem hohen Anspruch, die Welt durch ihr Dasein mit Schönheit und Liebe zu bereichern, erfüllt gewesen. Dieser Weg hat uns nicht zuletzt deshalb alle so sehr bewegt, weil er in seiner Größe viel mit unserer Massagearbeit in ihrer schönsten Form zu tun hat. Wir, die wir Euch sonst auf der körperlichen Ebene berühren, möchten Euch deshalb an diesem letzten Geschenk von Dhyan, das unsere Herzen so tief berührt hat, teilhaben lassen – ein Wunsch, den sie als Auftrag an uns hatte und den wir gern so gut wie möglich erfüllen.

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Im Bauch der Schwitzhütte: Das Ananda-Teamtreffen in der Eifel

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Teamrunde am Lagerfeuer, Foto: Antonia Vilos (zum Vergrößern bitte anklicken)

„Ich habe noch an keinem Arbeitsplatz solche Gespräche erlebt und mich menschlich so aufgehoben gefühlt“. Als eine der Frauen das sagt, gehen mir tausenderlei Dinge durch den Kopf. Sie münden in dem Gedanken: Was für ein wunderbarer Ort ist das, den Martina, ich und das ganze Team von Ananda zusammen geschaffen haben. Wir haben etwas in die Welt gebracht, das Menschen zutiefst Freude bereitet, ein Beitrag zu einem guten Leben ist und es obendrein einer ganzen Gruppe von Menschen ermöglicht, den eigenen Lebensunterhalt zu einem Teil oder sogar komplett zu verdienen. Dabei gehen wir auf eine ehrliche, gefühlvolle und unterstützende Art miteinander um, wie ich es aus der Arbeitswelt sonst nicht kenne. Manchmal treibt es einem sogar die Tränen in die Augen – wie hier, auf dem Teamtreffen von Ananda in der Eifel.

Wir sitzen zwanglos auf Decken und Fellen, in einem speziellen Raum des Seminarhauses, dem Rundbau aus Holz und Glas. Dreißig Masseurinnen und Oli, der einzig männliche Masseur, der anwesend ist – Alex war diesmal leider verhindert. Durch die gewölbte Wand, die uns rundherum umgibt, sehe ich den urigen Wald der Eifel. Sonnenlicht fällt von schräg oben in die Kuppel wie durch ein Kirchenfenster. Wir erzählen uns von unserem Berufsalltag bei Ananda, von unseren Gedanken und Gefühlen. So unterschiedlich wie die Lebensläufe sind die persönlichen Geschichten, die wir voneinander hören. So wie Olis Geschichte. Erst vor kurzem hat er sein Privat- und Berufsleben komplett neu geordnet. Ich bin tief gerührt, als er sagt:

„Mein Haus und die damit einhergehenden Verpflichtungen lasteten so stark auf meinen Schultern, dass ich Rückenschmerzen bekam. Das dauernde Leisten-Müssen hatte Konsequenzen. Irgendwann merkte ich, wie wichtig mir andere Werte wie Menschlichkeit, Sinnhaftigkeit im Beruf, Ehrlichkeit und tiefe Berührungen sind. In der Massage habe ich nun genau damit zu tun, und das ist eine tolle Neuausrichtung.“

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Die Erotik des Wartens – Ananda im Deutschlandfunk

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Wenige Tage nach dem Start der Fußball WM 2014 entsteht dieses Interview:
Die deutsche Nationalmannschaft schießt in 90 Minuten 4 Tore – 90 Minuten dauert eine Tantramassage mindestens. So fängt das Interview an und schon hören die Gemeinsamkeiten mit dem Fußball auf. Bei der Tantramassage gibt es kein Ziel – und genau das ermöglicht eine derart tiefe Entspannung wie viele sie noch nie erfahren haben. >> Hier findet Ihr das Interview online

Unsere Kollegin Andrea (die sich früher Ella nannte) informiert hier auf einfühlsame Weise über die Erotik des Wartens und den Verlust jeglichen Zeitgefühls während einer Tantramassage.

 

Ist Vögeln schön?

Droht uns eine neue Spießigkeit? Geht verloren, was die sexuelle Revolution der 68er erkämpft hat? Sind wir im Vergleich zu den sexuellen Barrikadenstürmern unfreier geworden? Für uns von Ananda wäre das eine traurige Bilanz. Schließlich setzen wir uns seit vielen Jahren mit unserer Arbeit für eine freie sexuelle Kultur ein.

71vap2mLGhL._SL1500_Aber wenn man der Autorin Ulrike Heider und ihrem im Frühjahr erschienenen Buch „Vögeln ist schön“ folgt, gibt es einen starken konservativen Schwenk in unserer Gesellschaft. Die Autorin behauptet sogar, eine sexuelle und soziale Revolution habe nie wirklich stattgefunden. Nach den Sexualreformern seien es vor allem kommerzielle Akteure wie die Werbeindustrie gewesen, die die sexuelle Befreiung aufgegriffen, das gesellschaftliche Bild von Sexualität dadurch entscheidend geprägt und so schließlich ausgehöhlt haben. In den 80er Jahren sei aus dem Ideal der gemeinsam erlebten und zärtlichen Sexualität das Bild vom Kampf der Geschlechter geworden, ein Spiegelbild der wirtschaftlichen Unsicherheit und der Verschärfung sozialer Gegensätze. Damit ging eine neue Sehnsucht nach Verbot, Gewalt, Geheimnis und Bordell-Erotik einher. Bis heute herrsche ein „pornographisch verzerrtes Bild von Sexualität“, das „Leistungsdruck, Konkurrenzangst und Gewaltförmigkeit“ erschafft. Weiterlesen

Sprechende Yoni aus Südafrika

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Begehbare Yoni in Südafrika

Hier ein Fundstück aus dem letzten Jahr, über das ich heute gestolpert bin. Inspirierend und anregend ist es immer noch und verbindet Kunst, Erotik und politische Absicht auf eindringliche Weise:

Tiefrot ist die begehbare Vagina, die die Künstlerin Reshma Chhiba in einem Frauengefängnis in Südafrika ausgestellt hat. Die Kunstinstallation trägt den Namen „Zwei sprechende Yonis“. Yoni ist der Begriff für Vagina aus dem Sanskrit. Doch das Objekt sorgt für ziemlich viel Kontroverse. Manche sind begeistert, andere wiederum entsetzt.

Der Clou der Riesen-Vagina ist, dass sie begehbar ist. Besucher müssen die Schuhe ausziehen, dann durch einen weich gepolsterten zwölf Meter langen Tunnel mit schummrigen Licht. Am Anfang ertönt ein schriller Schrei. „Damit soll die Kunstaustellung gegen Unterdrückung von Frauen aufbegehren“, sagt Reshma Chhiba, die das Frauengefängnis als Ort mit Bedacht gewählt hat. Denn hier würden Frauen eingesperrt und unterdrückt.

(aus: Excite News)