Im Bauch der Schwitzhütte: Das Ananda-Teamtreffen in der Eifel

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Teamrunde am Lagerfeuer, Foto: Antonia Vilos (zum Vergrößern bitte anklicken)

„Ich habe noch an keinem Arbeitsplatz solche Gespräche erlebt und mich menschlich so aufgehoben gefühlt“. Als eine der Frauen das sagt, gehen mir tausenderlei Dinge durch den Kopf. Sie münden in dem Gedanken: Was für ein wunderbarer Ort ist das, den Martina, ich und das ganze Team von Ananda zusammen geschaffen haben. Wir haben etwas in die Welt gebracht, das Menschen zutiefst Freude bereitet, ein Beitrag zu einem guten Leben ist und es obendrein einer ganzen Gruppe von Menschen ermöglicht, den eigenen Lebensunterhalt zu einem Teil oder sogar komplett zu verdienen. Dabei gehen wir auf eine ehrliche, gefühlvolle und unterstützende Art miteinander um, wie ich es aus der Arbeitswelt sonst nicht kenne. Manchmal treibt es einem sogar die Tränen in die Augen – wie hier, auf dem Teamtreffen von Ananda in der Eifel.

Wir sitzen zwanglos auf Decken und Fellen, in einem speziellen Raum des Seminarhauses, dem Rundbau aus Holz und Glas. Dreißig Masseurinnen und Oli, der einzig männliche Masseur, der anwesend ist – Alex war diesmal leider verhindert. Durch die gewölbte Wand, die uns rundherum umgibt, sehe ich den urigen Wald der Eifel. Sonnenlicht fällt von schräg oben in die Kuppel wie durch ein Kirchenfenster. Wir erzählen uns von unserem Berufsalltag bei Ananda, von unseren Gedanken und Gefühlen. So unterschiedlich wie die Lebensläufe sind die persönlichen Geschichten, die wir voneinander hören. So wie Olis Geschichte. Erst vor kurzem hat er sein Privat- und Berufsleben komplett neu geordnet. Ich bin tief gerührt, als er sagt:

„Mein Haus und die damit einhergehenden Verpflichtungen lasteten so stark auf meinen Schultern, dass ich Rückenschmerzen bekam. Das dauernde Leisten-Müssen hatte Konsequenzen. Irgendwann merkte ich, wie wichtig mir andere Werte wie Menschlichkeit, Sinnhaftigkeit im Beruf, Ehrlichkeit und tiefe Berührungen sind. In der Massage habe ich nun genau damit zu tun, und das ist eine tolle Neuausrichtung.“

Unsere Runde dient als Vorbereitung für die Schwitzhütte am Abend. Wie in einem Gespräch unter engen Freunden reden wir vertraut und innig über alle Themen, die uns bewegen. Ein Kaleidoskop des ganzen Lebens. Oft höre ich von den anderen: „Genau das hätte ich auch sagen können“ oder: „So ging es mir vor einem Jahr auch“.

Mit den Geschichten im Kopf gehen wir in den Wald und sammeln Äste, Steine, Blätter, Federn und Wurzeln für ein großformatiges Mandala im Stil der Land Art. Durch die gemeinsame Arbeit konzentrieren wir unsere Gedanken und Wünsche, kommen zur Ruhe und sammeln unsere Kräfte. Wir stehen im Kreis um das Mandala, singen und stimmen uns auf die Schwitzhüttenzeremonie ein. Uns allen steht die gemeinsame Absicht vor Augen: In der Hitze, dem Dampf und der Dunkelheit der Schwitzhütte wollen wir zusammen einen Ausblick finden, wo wir als Gruppe miteinander hinwollen.

Für die meisten von uns ist so eine Schwitzhütte etwas Neues. Doch alle sind neugierig und schnell ausgezogen. Schon liegen oder sitzen wir im Bauch der Schwitzhütte. Es ist dunkel, im Zentrum glühen und zischen die Steine. Die heißen Steine trägt der Feuermann hinein, einen nach dem anderen – und mit jedem Stein steigt die Hitze. Alle halten tapfer durch. Was habe ich für einen schönen und schrägen Job, denke ich, welche Firma macht so etwas? Wir schwitzen, lachen, weinen, singen und schreien zusammen. Jeder wirft Ballast ab, schält das Alte ab und schafft so Platz für Neues. Dabei enthüllt sich langsam unsere Vision: Mit jedem Stein kommt ein Puzzlestück hinzu, wir reden und rätseln, diskutieren und suchen gemeinsam. Das Bild wird deutlicher, und schließlich ist es so greifbar, dass wir unser geteiltes Ziel formulieren können: Wir wollen, dass unsere Arbeit noch stärker in der Gesellschaft anerkannt wird – wir fordern Wertschätzung. Wir leisten einen wichtigen Beitrag zu einer freien sexuellen Kultur, zu einem erfüllten, lustvollen und damit auch gesünderen Leben. Dass man dies wahrnimmt, das wünschen wir uns. Wir möchten, dass sich der Blick der Menschen auf uns mit unserem Selbstbild deckt, und dass jede/r einzelne von uns selbstbewusst und stolz in der Öffentlichkeit zu unserer wunderbaren Arbeit stehen kann.

Am nächsten Tag sitzen wir im Wald. Ich genieße den Geruch der Bäume, der Wind streicht durch die Blätter, Licht sickert durch die Kronen der hohen Buchen. Alle strahlen. In den Gesichtern sieht man Erholung und Begeisterung. Ein Grundgefühl verbindet uns alle: Die Liebe zu unserer Arbeit und unsere Überzeugung, dass unsere Arbeit glücklich macht – unsere Gäste und uns als Masseurinnen und Masseure.

Stefanie

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