Sommerparty 2015: Ananda goes queer

Fotos: Antonia Vilos – Text: Julia Stempel

Einmal im Jahr feiert Ananda ein rauschendes Fest! Unsere ganz besondere Betriebsfeier, zu der Partner und Freunde eingeladen werden, um einen Blick hinter die Kulissen zu werfen, unsere privaten Räume zu betreten und uns als Team in der Gesamtheit zu erleben.

Das Motto, das Spiel mit den Genderrollen, fand großen Zuspruch und bereicherte die Party durch viele Spielmöglichkeiten. Ein von Astrid angeleitetes Tarotspiel stellte Kontakte unter den knapp 100 Gästen her, so war es relativ einfach, Anschluss zu finden und neue Menschen kennen zu lernen. Unsere Haus- und Hoffotografin Antonia richtete in einem Massageraum ein provisorisches Fotostudio ein. Geplant war eine Stunde Fotoshootings – daraus wurden fast drei Stunden. Man kann kaum glauben, dass die meisten Menschen auf diesen Bildern sich vorher nicht kannten, so intensiv und vertraut wirken sie miteinander!

Die Freude am Verkleiden begann schon beim Suchen, Stöbern, Einkaufen und fand meist in kleinen Gruppen statt, weil fachkundige Beratung wichtig ist und es einfach mehr Spaß macht. So wurden alte Socken zu Kunstbrüsten und Hodensäcken. Beim Einkauf der Damenunterwäsche hatte jemand bereits aufregende Momente in der Umkleide, ein Mann wurde von seiner Mutter gut beraten und hätte mit seinem Partyoutfit ohne weiteres auch in die Oper gehen können, ein anderer war bei einer Kosmetikerin und ließ sich professionell schminken und genoss daraufhin seine Wirkung auf dem Weg zur Party. Ich im Übrigen auch, mit meiner neuen Rockabilly-Frisur.

Julia_Alex_schminkenWer noch Hilfe beim Schminken brauchte, bekam diese von mir vor Ort. Es hat mir Spaß gemacht, all die Verwandlungen so hautnah mitzuerleben und zu gestalten. Manche Männer hatten so lange Wimpern, dass sie wie aufgeklebt aussahen. Der Moment, wenn der erste geschminkte Augenaufschlag kam und alle Umstehenden in „Ahhhhs“ und Ohhhhhhs“ ausbrachen, war immer phänomenal. Das schüchterne oder auch stolze und zufriedene Lächeln bei den Geschminkten: ein Gedicht!

Ulrike_Guido_FranzeDie Rückmeldungen sind eindeutig: Das Verkleiden war ein großartiges Erlebnis! Manche berichten von unerwarteten Erfahrungen in ihrer neuen Gestalt, wie es eben das Wesen der Maskerade ist: ein anderer werden und in eine Rolle schlüpfen, dadurch Freiheiten erfahren und auf ungewohnte Art mit anderen interagieren. Einige fühlten sich wie unschuldig spielende Kinder und konnten gleichzeitig ihre Rollenklischees ganz ungeniert ausagieren: andere anflirten, ausgiebig und offen betrachten, leicht in Kontakt kommen und entspannt die Zeit genießen, sich treiben lassen von der Woge des Abends.

Hier ein paar Rückmeldungen von unseren Gästen:

„Es war herrlich, in meiner Rolle als ,Alfonso‘ absolut schwanzfixiert und mit Tunnelblick die Leute um mich herum zu belästigen und so mein geheimes Männerbild an einem Abend auf den Punkt zu bringen und auszuleben. Die offene Stimmung, die vielen interessierten, liebevollen Blicke und die Lust am Feiern und Beisammensein öffneten mein Herz und rissen mich mit in eine Art Rauschzustand.“

„Fand großartig, mit welcher kreativen Lust und Freude die Leute in der Fotosession zusammenkamen. Viele kannten sich vorher nicht und waren doch vor der Kamera plötzlich ein Paar oder eine sich innig verbunden fühlende Gruppe: mal schräg, mal liebevoll, mal streng traditionell, mal schüchtern, mal oversexed … Viele, viele Facetten und viel spielerische Lebensfreude!“

„Als junges Punk-Mädchen verkleidet, musste ich mit den anderen ,Mackern‘ nicht in Konkurrenz gehen, sondern konnte in Katja_Armin_Amaliondieser Rolle einfach mit ihnen flirten. Eine ganz neue Erfahrung für mich. Ich hatte großen Spaß, das nervende Mädel zu spielen und mit den Männern auf eine andere Ebene zu kommen, sie naiv anzumachen, aber dafür tatsächlich positive Resonanz zu bekommen.“

„Die Atmosphäre war so kontaktfreudig, offen, herzlich. Die Leute schienen viel Lust zu haben, neue Menschen kennen zu lernen. Mir schien, es waren wenig feste Grüppchen, die nur für sich sein wollten, sondern es gab viel Aufgeschlossenheit, Flirtbereitschaft, Lust auf das Spiel mit den Rollen. Mich hat all das sehr offen gemacht.“

„Es war die beste Party meines Lebens. Ich bin eher still, aber durch die Tarotkarten hatte ich gute Kontakte und sehr intensive Gespräche.“

„So möchte ich dem Ananda-Team von ganzem Herzen für diese wundervolle Party danken und auch für das Konzept, Geschlechter-Rollen und -Klischees zu tauschen und zu überwinden.“

„Das Ananda ist eine Oase der Liebe und euch zu kennen ist ein unbegreifliches, wunderbares Geschenk!“

Ja. So sehe ich das auch. Das Ananda ist etwas ganz Besonderes. Diese Party war es auch deshalb, weil wir als Team gemeinsam daran gearbeitet haben, dass es ein grandioses Fest wird. Das verbindet. Danke euch allen, die bei den Vorbereitungen mitmachten! Danke Martina: für die Idee, überhaupt jährlich Sommerpartys als eine Art „Familienfest“  im Ananda stattfinden zu lassen, sowie für die großzügige Unterstützung auf allen Ebenen.

Besonderen Dank an die Tarot-Experten Astrid und Jens, an Antonia und ihre Leidenschaft fürs Fotografieren, das Dekoteam unter der Leitung von Chris, Ulrike und ihr Team für den freundlichen Empfang und viel Hilfe im Hintergrund, ebenso an Malin für die Orga-Hilfe im Hintergrund, Stefanie fürs Zusammenführen der Gruppe und den roten Faden in der Planung, sowie an alle Gäste und Teammitglieder, die an verschiedener Stelle mithalfen, um den Abend unvergesslich zu machen.

Ein besonderer Dank natürlich auch an all die tollen Musiker: Ihr wart großartig! Mein ganz
persönlicher Dank an die kleine Abschluss-Runde in der Küche, wo ich mit und für euch spielen und singen durfte. Glückseligkeit pur!

Ich freue mich schon auf nächstes Jahr!
Der Termin steht bereits fest, es wird Samstag, der 2. Juli 2016. Voraussichtlich werden wir ein Gewinnspiel machen und ein paar wenige Karten verlosen.

Eure

Julia

PS: Und ganz zum Schluss mit der größte Applaus an unser heldenhaftes Aufräum-Team!
Ihr wart tapfer und habt alles wieder in den Ur-Ananda-Zustand versetzt!

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Julia gehört zu den Liberty-Fachfrauen im Ananda-Team.
Berührung und die Auseinandersetzung mit Sexualität und Kunst brachten Julia sehr stark in die Verbindung mit ihrer Kraft und Kreativität.
Sie versteht ihre Arbeit als einen Beitrag zur Integration von Sexualität in jedem Einzelnen und in der Gesellschaft und vor allem als eine bewusste Hinwendung zur Freude und Fülle des Lebens.

Ann-Marlene Henning im ANANDA-Interview: Sexuelles Fachwissen statt Blabla

amh2Wir haben mit der bekannten Sexologin über Scham, Verklemmtheit und Sex als Thema in der Öffentlichkeit geredet.
Wie wir sieht auch sie sich als Pionierin auf einem Feld, das in unserer Medienwelt zwar überall präsent ist, das aber noch lange nicht die Freiheit genießt, die wir uns wünschen. Eine weitere Gemeinsamkeit fanden wir in der zentralen Bedeutung, die Ann-Marlene dem Körper gibt, wenn es darum geht, unsere Sexualität besser zu verstehen.

Auch einige unserer ANANDA-Kolleginnen sind gut geschult in der Anwendung des Sexocorporel-Konzepts, das sie in diesem Zusammenhang erwähnt. Ein hoffnungsvolles Zeichen dafür, dass sich etwas zum Positiven verändert, mag man darin sehen, dass die neue Staffel von Ann-Marlenes erfolgreicher Fernsehsendung „Make Love“ in diesem Sommer nicht mehr spätnachts in einem ARD-Landessender läuft, sondern an prominenter Stelle im ZDF.

ANANDA: Man hört Geschichten aus dem Fernsehbetrieb, dass Talkshow-Gäste nicht vor die Kamera gehen, wenn sie wissen, dass du mit ihnen gemeinsam in der Runde sitzen wirst. Gleichzeitig behandelt man dich freundlich und macht dir vielfach Komplimente für deine Arbeit – aber nur, wenn keiner zuguckt. Herrscht hier also eine Art Doppelmoral? Weiterlesen

Jetzt den Film über die Sexarbeiterin Lena Morgenroth unterstützen!

sexarbeiterinWas für ein interessantes Projekt:

„Lena Morgenroth ist SEXarbeiterin. Sie bietet erotische Massagen, Tantramassagen und SM in Berlin an. Wenn es nach Alice Schwarzer ginge, dürfte es Lena gar nicht geben. Sie ist nicht die fremdbestimmte, ausgebeutete, schutzbedürftige Frau. Niemand muss Lena zu ihrem eigenen Wohl aus den Händen von Menschenhändlern befreien. Vielleicht ist das schwer zu glauben – was Lena tut, tut sie freiwillig und aus eigenem Antrieb. Für sie garantiert ihr Job mehr Freizeit und eine flexiblere Zeiteinteilung.

Für den Dokumentarfilm SEXarbeiterin brauchen wir euer Geld. Aber woher nehmen und nicht stehlen? Kann man Alice Schwarzer toppen, wenn es darum geht, sich im Medienmilieu anzubieten? Falls überhaupt, dann nur durch sprichwörtliche Prostitution: Das ist die Absicht des Filmteams um das filmische Portrait über die Sexarbeiterin Lena Morgenroth zu realisieren.“

Wir hoffen, dass diese Doku per Crowdfunding zustandekommt – auch um zu sehen, welche „Dankeschöns“ die Männer des Filmteams an ihre Unterstützer verteilen. Man hat sich allerlei einfallen lassen: Für 500 Euro Starthilfe gibt es eine erotische Massage von Mann zu Mann oder Mann zu Frau, für 5000 Euro gar einen „Privatvorführung des Films mit Filmteam und Lena Morgenroth“. Was da wohl alles vorgeführt wird? 🙂

Hier geht’s zur Startnext-Seite mit mehr Infos und Möglichkeiten, das Projekt zu unterstützen.

Unser Berufsverband schreibt an den Stuttgarter Oberbürgermeister

070325_maria_logo_einzeln_automatisch in RGB konvertiert_schmalANANDA ist Gründungsmitglied des Tantramassage-Verbands e.V. (TMV). Heute hat unser Berufsverband einen Offenen Brief an Fritz Kuhn, den Oberbürgermeister von Stuttgart veröffentlicht. Darin geht es um aktuelle Entwicklungen zum Thema Vergnügungssteuer.

Der Brief lohnt sich in Gänze zu lesen. 

Der beste Burlesque-Auftritt der Welt

Was die englische Standup-Komikerin Nadia Kamil hier zeigt, ist so witzig und großartig, dass wir es mit Euch teilen müssen. Mehr Hintergrund über die Künstlerin, deren Eltern aus dem Irak und Wales stammen, findet Ihr auf ihrer eigenen Website.

taz gibt Nachhilfe in Sexualkunde

taz_logo_offset_2011Deutschland brauche dringend Nachhilfe in sexueller Vielfalt, konstatiert die taz in ihrem Online-Artikel „Wenn Heteros von Homos lernen“. Denn:

Gerade vom ungezwungeneren Umgang mit Sex könnten viele Heteros lernen – und verklemmten Menschen neue Möglichkeiten des Seins eröffnen. So sollten Männer sich endlich als Objekt der Begierde anerkennen – und die Angst davor verlieren, als schwul zu gelten, sobald sie bewusst ihre Körper einsetzen.“

Dem Artikel zufolge ist der Weg zu einer emanzipierten Gesellschaft noch lange nicht zu Ende gegangen. Ein Schlüssel dazu sei die Bereitschaft, sich mit anderen Milieus und Lebensentwürfen auseinanderzusetzen, den Blick offen und neugierig zu halten. Als gutes Beispiel dafür nennt er den heterosexuellen Barkeeper Kirill, der in einer Schwulenbar arbeitet. Dieser schätze vor allem die schärfere Selbstwahrnehmung, die er durch die Beobachtung der homosexuellen Lebenswelt erworben hat:

„‚Denn Schwule müssen selbst im vergleichsweise toleranten Deutschland ‚immer noch für das kämpfen, was für andere selbstverständlich ist.‘ Zu wissen, dass die eigene Freiheit eine Errungenschaft ist anstatt sich auf der eigenen Normalität auszuruhen, findet Kirill sehr wichtig.“

„Masters of Sex“: Sehenswerte TV-Serie über Pioniere der Sexualforschung

© Showtime

Die erste Folge der neuen TV-Serie „Masters of Sex“ lief gestern auf ZDFneo. Ab 22 Uhr müsste die Episode eigentlich online in der Mediathek abzurufen sein. Die ZEIT bringt heute eine schöne Rezension der sehenswerten Serie über die Sexualforscher William H. Masters und Virginia E. Johnson. Deren Fazit lautet:

„Nach wie vor gilt für viele Paare: bloß nicht reden. Zumindest nicht über ihre eigenen Bedürfnisse. ‚Masters of Sex‘ zeigt anschaulich, wie gehemmt wir auch heute noch sind. Denn viele Mythen um Sexualität haben sich bis heute hartnäckig gehalten. Einige von ihnen konterkariert die Serie sehr treffend. Und sie beweist: Bis zu einem wirklich entspannten Umgang mit Sexualität ist es noch weit.“

Die 61. Stimme: Die Kunst der Berührung

Anita Tantra Massage Köln
„60 Stimmen“ nannte die Frauenzeitschrift Brigitte eine Kolumne, in der sie zum 60-jährigen Bestehen des Magazins in diesem Frühjahr ihre Leserinnen zu Wort kommen ließ. Tolle Idee. Mir fiel einiges ein, was ich dazu schreiben wollte. Erst nachdem ich (m)ein Thema gefunden hatte, entdeckte ich leider, dass es einen Einsendeschluss gab, dessen Datum nun schon vorbeigezogen war. Schade.

Nach den üblichen Phasen (mich ärgern, trauern und mich trösten) fiel mir ein, dass es andere Möglichkeiten als die Brigitte gibt, um sich zu äußern. Hier also, auf dem Ananda-Blog: die 61. Stimme.

Die Kunst der Berührung

Es gibt für mich nichts Schöneres, als einen Menschen zu berühren. Dabei mit der ganzen Hand die zarte Flanke des Körpers zu umfassen. Daran entlanggleiten und diese besondere Wärme spüren, die menschlicher Haut eigen ist. Aus meiner Handmitte strömt dann die Wärme, die jeden Zentimeter Haut in diesem zeitlosen Moment spüren lässt, dass sie geliebt wird. Wenn diese Wärme willkommen ist, sickert sie unter die Haut, in jede Zelle – und ins Herz. In der Landschaft eines menschlichen Körpers gibt es so viele verzauberte Stellen: Erhebungen, Senken, lange schmale Flächen und kleine Kuhlen. Jede fühlt sich anders an, hat ihre eigene Qualität, jede birgt ihre eigene Magie. All diese Stellen in der Landschaft eines Körpers sehnen sich nach den schwirrenden Funken, nach dem Wohlbehagen, das durch meine Hände einfließt.

Wir nennen diese Kunst der Berührung Tantramassage. Mit dem Wort „Massage“ können die Gäste etwas anfangen, es vermittelt ihnen etwas Vertrautes. Für das, was geschieht, finde ich den Begriff Massage zwar richtig, doch gleichzeitig zu kurz gefasst. Man muss ihn ausdehnen, um dem, was passiert, gerecht zu werden. Denn die Massage ist eine Art Performance, ein künstlerischer Prozess ohne Skript, der eine körperliche Handlung ohne festgelegtes Ergebnis einschließt. Wie jede Performance ist sie einzigartig und unwiederholbar.

Eine Malerin malt mit ihrem Pinsel Farben auf die Leinwand. Als Berührungskünstlerin male ich mit meinen Händen Gefühle in die menschliche Haut. Köstlich wie Schokolade, kostbar wie Gold und belebend wie Quellwasser. Weiterlesen