Sexuelle Dienstleistung?

Amritablog

Unsere Kollegin Amrita hat uns freundlicherweise einen Brief an eine Freundin zur Verfügung gestellt, in dem sie sich mit dem Thema „Tantramassage als sexuelle Dienstleistung und das Verhältnis zur Prostitution“ auseinandersetzt. Da diese Debatte für uns als MasseurInnen hochaktuell ist, freuen wir uns über Diskussionen, Meinungen und Anregungen darüber.

Liebe Petra,

„Aber das war ja gar kein Bauchtanz – das war ja richtig SCHÖN!“

Dieser Ausruf stammt aus „Die mit dem Bauch tanzt“. Die Geschichte einer westfälischen Hausfrau, die zur professionellen Bauchtänzerin wird. Überall in Westfalen hat sie Auftritte, nur nicht im eigenen kleinen Städtchen. Für die eigenen Nachbarn, den Bäcker, die Freiwillige Feuerwehr tanzt sie erst nach Jahren. Schließlich tuscheln alle darüber, wie freizügig – sprich unanständig – Bauchtanz doch ist. Und nun entdeckt die Nachbarin: „Das ist ja SCHÖN!“

„Und da ich ja nun weiß, was du tust, kann ich getrost sagen, das hat mit Prostitution nichts zu tun, sondern vielmehr mit Freude am Sex.“

Das sind deine Worte, liebe Petra. Erkennst du die Ähnlichkeit?

Du weißt, wie viel Freude mein Beruf mir bereitet, wie viel Sinn und Schönheit darin liegt. Also kann es keine Prostitution sein – denn Prostitution ist schmutzig, gefährlich und bedeutet, auf die schiefe Bahn zu geraten. Denken viele. Betrachten wir es ganz sachlich, nur die Fakten. Prostitution ist das Erbringen einer sexuellen Dienstleistung für Geld. Der neu gegründete Berufsverband für erotische und sexuelle Dienstleistung formuliert es so: Prostitution ist eine berufliche Tätigkeit, bei der sexuelle Dienstleistungen gegen Entgelt angeboten werden.

Eine Tantramassage berührt einen Menschen am ganzen Körper, auch im Intimbereich. Was entsprechend erotische Gefühle mit sich bringt, unter Umständen bis hin zum Orgasmus. Man kann schwer leugnen, dass da ein klein wenig Sexualität mit im Spiel ist. Für uns ist das auch in Ordnung – Sexualität ist ein naturgegebener Bestandteil menschlichen Seins, und in der tantrischen Philosophie geht es auch darum, den Menschen in allen seinen Facetten anzunehmen. Warum also den Sex ausklammern?

Weil er immer noch für viele Menschen ein heikles Thema ist. Weil das in noch höherem Maß für bezahlten Sex gilt. Weil Menschen, die Sex und Geld beruflich verbinden, ausgegrenzt werden. Weil Sex für Geld Prostitution ist – und Prostitution ist schmutzig, siehe oben. Da denken die meisten Leute an Kriminalität, an Zuhälter, an Zwangsprostitution. Du weißt, dass diese Elemente in der Tantramassage nicht die geringste Rolle spielen. Wir TantramasseurInnen wissen das auch. Der Gesellschaft vermitteln wir das, indem wir sagen: „Was wir machen, hat mit Prostution nichts zu tun.“

Gleichzeitg möchten wir den Blick der Öffentlichkeit gründlich aktualisieren, denn die Realität hat sich längst weiterentwickelt. Während Moralapostel, Politik und Polizei immer wieder das angebliche Überhandnehmen der „Zwangsprostituion“ beschwören und damit noch mehr willkürliche Kontrollen, Verbote und Bestrafungen durchsetzen wollen, ist längst eine neue Welt entstanden.

Eine Welt der Freiwilligkeit, der Eigenbestimmtheit, der Freude am Sex. Die Welt der Sexworker.

Menschen, die diesen Beruf freiwillig wählen. Die ihn selbstbestimmt, freiberuflich und gerne ausüben. Huren, ErotikmasseurInnen, PornodarstellerInnen, Dominas, Escorts, Callgirls, Callboys,und wie sie sich nennen mögen. Auch TantramasseurInnen sind dabei. Welches Bild diese Menschen von sich selbst haben, kannst du auf der Website des „Berufsverbands erotische und sexuelle Dienstleistung e.V.“ nachlesen.

Du siehst also, es ist nicht so einfach zu sagen, ob das, was ich tue, nun Prostitution ist – oder nicht.

Nein, wenn du die alte Definition nimmst.

Ja, wenn du die neue wählst.

Such’s dir aus!

Hinter all dem Sachlichen gibt es noch das Persönliche – und da kann ich mich mit keinem dieser Begriffe identifizieren. Wenn ich die vorgegebenen Wörter außer acht lasse und betrachte, was ich tue, was es für mich und meine Gäste – männliche wie weibliche – bedeutet, dann bin ich Körperfreundin, Berührungskünstlerin und/oder Körpercoach. Das ist meine Welt.

Liebe Grüße,

Deine Amrita

Ein Gedanke zu „Sexuelle Dienstleistung?

  1. Perfekt – Körpercoach, ganzheitliche Berührerin – so sehe ich mich. Nicht als Sexworkerin denn ich gebe keinen Sex und ich verfolge nicht den zielgerichteten Weg auf einen Orgasmus hin

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s