Das Tor ins Leben

In der Rubrik „Backstage“ erfahrt Ihr, was unsere Masseure und Masseurinnen persönlich bewegt, welche Gespräche wir „unter uns“ führen oder welche Aktionen und Veranstaltungen uns begeistern. Den Anfang macht unsere Kollegin Amrita, die uns von ihren Erfahrungen mit einem Yoni-Kalender in ihrer Küche berichtet.

AmritablogDie Zunahme der hellen Zeit ist schon deutlich wahrzunehmen. Jetzt fällt es ins Auge, dass es früher hell und später dunkel wird. Es fühlt sich ein bisschen so an, als würde sich eine Türe auftun, und der Raum, in dem ich mich aufhalte, wird dadurch heller, freier und weiter. Außerdem bekomme ich dadurch mehr Lust, nach draußen zu gehen, als wenn es dunkel ist. Und kalt obendrein.

Wenn es irgendwo dunkel und warm ist, das hat ja noch was. Wie im Bauch der Mutter. Da fühlt sich das Kind bestimmt auch wohl. Und dann muss es raus durch das Tor ins Leben.

„Das Tor ins Leben“ war auch der Name einer Ausstellung, von der ich durch eine Freundin erfuhr. Bei dieser Ausstellung wurde das Tor gezeigt, durch das wir Menschen ins Leben eintreten. Also die weiblichen Genitalien, hier Yoni genannt. Yoni ist ein Wort aus der alten heiligen Sprache Indiens, dem Sanskrit. Mit der Wahl dieses Namens wird zum Ausdruck gebracht, dass es um etwas Wertvolles geht, um etwas, das Achtung und Würdigung verdient.

Die Lustpforte der Frauen, den Mutterschoß, aus der Scham und dem Verschweigen zu befreien, ist ein Anliegen von Grit Scholz, die die Ausstellung initiierte und die Fotos machte. Als ich von der Ausstellung erfuhr, war sie schon vorbei. Es gibt jedoch auch ein Buch mit den Bildern und Karten sowie einen Kalender. Mir anschauen zu können, wie andere Yonis ausschauen, das reizte mich schon sehr. Mal ganz abgesehen von meiner Vorliebe für Tabuthemen.

Das Buch wollte ich mir zwar nicht kaufen, das schaue ich mir ein paar Mal an, und dann steht es im Schrank herum. Das passt nun gar nicht dazu, dass ich mehr Platz in meiner Wohnung will. Die auf der Webseite gezeigten Bilder fand ich aber wunderschön, gerade in ihrer Kombination mit Ansichten aus der Natur. Blüten, Felsformationen, Muscheln, die an Yonis erinnern, oder umgekehrt. Also bestellte ich mir den Kalender. In meiner Begeisterung für das Thema und für den Mut, zu solchen Bildern zu stehen, stellte ich es mir toll vor, den Kalender in meiner Küche aufzuhängen. Er hing drei Wochen. Dann war meine Begeisterung einer gewissen Bedrückung gewichen. Meine Lust, mich in der Küche aufzuhalten, blieb zunehmend aus. Einer Freundin von mir war es gelungen, während ihres dreitägigen Besuches diese Bilder überhaupt nicht zu bemerken. Mir war das nicht mehr möglich.

Bis heute kann ich nicht sagen, ob am Ende die gesellschaftliche Konditionierung siegte, ob es an den ausgewählten Yonis lag (die auf der Internetseite hatten mir besser gefallen) oder ob es mir einfach zuviel ist, ständig eine Yoni zu sehen. Jedenfalls liegt der Kalender jetzt bei den großformatigen Büchern. Trotzdem: meine Begeisterung für die Idee, irgendwann ganz unbefangen und frei mit diesem Körperteil umgehen zu können, die bleibt.

Dass Dir Bilder begegnen, die eine intensive Betrachtung lohnen,
wünscht Dir im Februar mit bildschönen Grüßen:
Amrita

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